Predigt zu Markus 2,23-28 und Fürbitten für den 20. Sonntag nach Trinitatis

 

An diesem Sonntag feiern die Gemeinden St. Markus und Katharina von Bora zusammen in der St Markuskirche die Jubelkonfirmation. Die Predigt wird Pfarrer Ziegler halten, ich habe also „predigtfrei“.

Dennoch will ich Ihnen und Euch gerne eine Predigt mit in den Sonntag geben. Die Predigt stammt von Pfarrerin Esther Philipps, die Fürbitten sind von mir.

Ich wünsche uns allen einen gesegneten Sonntag und eine gesegnete Woche. Bleibt behütet und gesund.

Herzliche Grüße,

Detlev Juranek

 

Predigt zu Markus 2,23-28

Und es begab sich, dass [Jesus] am Sabbat durch die Kornfelder ging, und seine Jünger fingen an, während sie gingen, Ähren auszuraufen.

Und die Pharisäer sprachen zu ihm: Sieh doch! Warum tun deine Jünger am Sabbat, was nicht erlaubt ist?

Und er sprach zu ihnen: Habt ihr nie gelesen, was David tat, da er Mangel hatte und ihn hungerte, ihn und die bei ihm waren: wie er ging in das Haus Gottes zur Zeit des Hohenpriesters Abjatar und aß die Schaubrote, die niemand essen darf als die Priester, und gab sie auch denen, die bei ihm waren?

Und er sprach zu ihnen: Der Sabbat ist um des Menschen willen gemacht und nicht der Mensch um des Sabbats willen. So ist der Menschensohn Herr auch über den Sabbat.

Genießen

Ein Spätsommertag. Die Sonne scheint warm. Aber nicht mehr heiß. So dass man ihr das Gesicht entgegenstrecken möchte. Die Wärme spüren und das Leben.

Jesus läuft mit seinen Jüngern durch die Kornfelder. Das Getreide glänzt golden in der Sonne. Die Jünger lassen ihre Hände streifen über die vollen Ähren.  Sie pflücken sie. Reiben sie zwischen den Händen. Das Korn duftet, es riecht nach Sonne und Regen. Sie stecken es in den Mund, gedankenverloren, während sie weiterlaufen, und es ist hart und schmeckt nussig. Das Leben ist schön.

Das tut man nicht

Das tut man nicht. Was macht ihr da? Jesus, was machen deine Jünger da?

Es ist Sabbat. Ährenraufen ist nicht erlaubt, eigentlich ist nichts erlaubt. Der Sabbat ist ein Ruhetag, ein kostbarer Ruhetag, von einer Menge an Geboten und Gesetzen geschützt. Sie haben recht, die Pharisäer. Was machen die Jünger da bloß.

Manchmal erschrecke ich, wie sehr mein Pharisäerinnen-Blick inzwischen eingeübt ist. Corona ist da ein guter, unbarmherziger Lehrer. Das tut man nicht, was macht ihr da? So ging es mir durch den Kopf, als ich im Frühsommer beim Fahrradfahren einer Gruppe feiernder Abiturient*innen begegnete. Zu einer Zeit wie jetzt, in der man nicht in größeren Gruppen zusammenkommen durfte. Und sie lachten und waren glücklich, die letzte Prüfung lag hinter ihnen und das Leben vor ihnen. Ich habe nichts gesagt.

Und ich denke das im Bus und im Zug, wenn Menschen ihre Maske nicht oder nicht richtig tragen, und manchmal sage ich es auch. Ich denke es, wenn mir Menschen zu nahe kommen, und manchmal sage ich es auch. Und ich leide daran.

Hunger – oder nicht?

Ob die Jünger Hunger hatten?

Das wäre ein Argument, mit dem man probieren könnte, gegen das Sabbatgebot anzugehen. Denn wie sollen Menschen zur Ruhe kommen, wenn sie hungrig sind? Dann stellt sich ein Bedürfnis vor das andere. Und der Hunger gewinnt.

Und wenn sie nicht hungrig waren? Ich stelle sie mir nicht-hungrig vor. Oder anders-hungrig.

Hunger nach…

Sie haben Hunger nach diesem anbrechenden Gottesreich. Nach dem Leben, das sich noch nie so lebendig angefühlt hat. Und sie laufen diesem Jesus nach, in dessen Nähe Wundervolles geschieht. Lahme gehen, Blinde sehen, Stumme reden… so wird es einmal sein: es ist, als ob Jesus den Himmel öffnet. Und diese andere Welt, die wir fein gesetzlich geordnet nur am Sabbat oder am Sonntag in unsere Welt hineinlassen – diese andere Welt ist spürbar, erlebbar in seiner Nähe.

Danach hungern sie. Und das erleben sie. Jesus zu folgen ist wie immerwährender Sabbat. Gottes heilige Nähe ist um sie und macht das Herz leicht, fast übermütig.

Wie wenn man verliebt ist.

Und der Himmel ist blau und die Ähren sind reif und die Welt duftet. Die Hand streicht über das Korn, spürt das Leben, die Fülle, im Herzen tanzt es, vielleicht kann man das sogar von außen sehen.

Liebe ist stark wie der Tod

Liebe ist stark wie der Tod und Leidenschaft unwiderstehlich wie das Totenreich. Ihre Glut ist feurig und eine gewaltige Flamme. Viele Wasser können die Liebe nicht auslöschen noch die Ströme sie ertränken.

Wasser und Ströme können es nicht. Aber unsere Gesetzlichkeit, die kann es vielleicht. Die kann die Liebe zum Erlöschen bringen. Sie kann der Flamme die Luft zum Atmen nehmen, sie wird kleiner, flackert, bis sie schließlich erlischt.

Sabbat – Mensch, Mensch, Sabbat

Der Sabbat ist um des Menschen willen gemacht und nicht der Mensch um des Sabbats willen.

Um des Menschen willen.

Der Sabbat, der Sonntag hat keinen Selbstzweck. Er muss nicht auf der To-do-Liste abgehakt werden. Halbe Stunde Gottesdienst. Fast erledigt. Nachher vielleicht noch eine halbe Stunde auf dem Sofa ruhen. Dann kann der Haken dran an den Sonntag. Erledigt.

Um des Menschen willen. Der Sonntag ist für den Menschen. Er schafft einen heiligen Raum, einen Segensraum. Hier soll es dir gut gehen. Komm zur Ruhe, atme ein, atme aus. Gottes heiliger Schöpferatem in dir.

Das Sonntagsgebot hat keinen Selbstzweck, sondern dient dem Leben. Wir existieren nicht deshalb, um Regeln und Gebote erfüllen zu können – sondern es gibt Regeln und Gebote, damit wir leben können.

Ich kann die Corona-Regeln da gut mitdenken. Sie müssen dem Leben dienen. Und wenn ich Abstand halte zu einem Menschen, dem ich so gerne näher wäre, dann bin ich keine Pharisäerin, sondern ich bin eine Liebende. Ich achte das Leben und die Gesundheit meines Gegenübers – und mein eigenes Leben achte ich auch.

All unsere Gesetze und Gebote dürfen die Liebe nicht verlieren. Die Liebe zum Leben. Um des Menschen willen. Amen.

Fürbitten

Barmherziger Gott,

die steigenden Infektionszahlen haben nun auch Coburg erreicht. Wir beten für die Einwohner unserer Stadt und des Landkreis und in gleich Weise für unser Land und die Welt.

Steh den Infizierten und ihren Familien bei, den Erkrankten schenke einen milden Verlauf und rasche Genesung. Die Sterbenden begleite auf ihrem letzten Weg. Gib dass sie ihn im Frieden und ohne Schmerzen gehen können begleitet von ihren Lieben

Bewahre alle, die im Krankenhaus, in Pflegeeinrichtungen, in Arztpraxen, in den Testeinrichtungen und in der häuslichen Pflege tätig sind vor Überlastung und vor Ansteckung.

Lass uns Möglichkeiten finden, wie der Schutz gewährleistet werden kann und dennoch alte Menschen nicht vereinsamen und Sterbende nicht allein und ohne Abschied gehen müssen

Schenke allen, die in der Stadtverwaltung und in den Behörden Verantwortung tragen, Weisheit und die rechte Einsicht, welche Maßnahmen zum Wohl aller zu ergreifen sind, - rasch, entschieden und besonnen.

Sei mit den Leiterinnen und Leitern von Schulen, Kindertagesstätten und Horten. Hilf ihnen die notwendigen Maßnahmen umzusetzen. Wecke beiderseitiges Verständnis, sowohl bei den Eltern als auch bei den Lehrer/innen und Erzieher/innen. Hilf, dass alle zusammenwirken zum Wohl der Kinder. Hilf ihnen gute Worte zu finden, dass Kinder mit der Situation umgehen können.

Bewahre uns alle davor in Panik zu verfallen, behüte uns aber auch vor der Gefahr, die Pandemie zu verharmlosen. Bitte hilf, dass die Gereiztheit aus der öffentlichen Diskussion verschwindet und wir gemeinsam und entschlossen an der Überwindung der Pandemie arbeiten können.

Hilf uns der Gefährdung besonnen und gelassen gegenüberzutreten, das umzusetzen, was wir beitragen können, um uns gegenseitig zu schützen.

Barmherziger Gott,

wir sind in deiner Hand. Schütze und bewahre die Menschen unserer Stadt, im Landkreis und an allen Orten weltweit. Amen