Gottesdienst zum Sonntag Exaudi

Gottesdienst am Sonntag Exaudi

Liebe Gemeinde, liebe Nachbarn im Viertel,

 Der heutige Sonntag hat den Namen Exaudi.

Exaudi bedeutet: Höre, Herr!

 Zwischen Himmelfahrt und Pfingsten rufen wir zu Gott

und erwarten, dass er unsere Bitten erhört:

Wir rufen zu ihm, dass er in unser Leben kommt und uns mit seinem Geist begleitet.

Damit steht der Sonntag in gewisser Weise zwischen den Zeiten: Er nimmt das Anliegen des Gebets und der Verheißung des Heiligen Geistes auf. Aber die Ausgießung des Heiligen Geistes an Pfingsten steht noch aus.

In so einer Zwischenzeit befinden wir uns auch anderweitig: Manches ist nach den strikten Beschränkungen der letzten Wochen nun schon wieder möglich und dennoch sehnen wir uns nach einer „Zeit danach“.

Ich wünsche uns allen einen gesegneten Gottesdienst.

Gott behüte Sie und Ihre Lieben. Bleiben Sie gesund.

Herzliche Grüße,

Detlev Juranek

Kerze anzünden

Stille

 

Votum

Gott,                                                                                                 

ich bin hier (wir sind hier)
allein
und doch durch deinen Geist alle miteinander verbunden
So feiere ich, so feiern wir

räumlich getrennt und doch vereint
in deinem Namen Gottesdienst

Im Namen des Vaters und des Sohnes
und des Heiligen Geistes

 

Psalm

 

Ich träume, ich hoffe, ich spüre,

die neue Zeit bricht an.

Dein Licht gewinnt die blinden Augen.

Wir erkennen uns als Schwestern und Brüder.

 

Ich träume, ich hoffe, ich spüre,

die neue Zeit bricht an.

Dein Wort erlöst die stummen Zungen.

Wir verstehen uns als Schwestern und Brüder.

 

Ich träume, ich hoffe, ich spüre,

die neue Zeit bricht an.

Dienmut bewegt die lahmen Füße.

Wir begegnen uns als Schwestern und Brüder.

 

Ich träume, ich hoffe, ich spüre,

die neue Zeit bricht an

Leben befreit die toten Herzen.

Wir begegnen uns als Schwestern und Brüder.                                                                                                                         

Christa Peikert-Flaspöhler

 

Gebet

- Stille –

Barmherziger, gütiger Vater,

schenke uns

Weisheit, dich zu erkennen,

Verstand, dich zu verstehen,

Eifer, dich zu suchen,

Geduld, auf dich zu warten,

Augen, dich zu schauen,

ein Herz, über dich nachzusinnen,

und ein Leben, dich zu verkündigen

in der Kraft des Geistes unseres Herrn Jesus Christus.

 

-      Stille-

 

Predigt Jeremia 31, 31-34

 

Siehe, es kommt die Zeit, spricht der HERR,

da will ich mit dem Hause Israel und mit dem Hause Juda einen neuen Bund schließen,

nicht wie der Bund gewesen ist,

den ich mit ihren Vätern schloss,

als ich sie bei der Hand nahm,

um sie aus Ägyptenland zu führen,

mein Bund, den sie gebrochen haben,

ob ich gleich ihr Herr war, spricht der HERR;

 

sondern das soll der Bund sein,

den ich mit dem Hause Israel schließen will nach dieser Zeit, spricht der HERR:

Ich will mein Gesetz in ihr Herz geben

und in ihren Sinn schreiben,

und sie sollen mein Volk sein,

und ich will ihr Gott sein.

 

Und es wird keiner den andern, noch ein Bruder den andern lehren und sagen:

"Erkenne den HERRN",

denn sie sollen mich alle erkennen,

beide, Klein und Groß, spricht der HERR;

denn ich will ihnen ihre Missetat vergeben

und ihrer Sünde nimmermehr gedenken.

 

Es kommt eine Zeit nach dieser Zeit.

Und sie hat schon begonnen.

Die Straßen füllen sich wieder mit Leben,

auch die Biergärten haben geöffnet.

 

Und wenn man erst wieder draußen sitzen kann,

wird es fast so sein wie früher.

Ein bisschen mehr Abstand halten

und natürlich immer eine Maske in der Jackentasche haben.

 

Was sie uns versprochen haben,

hat jetzt begonnen.

 

Es gibt noch Einschränkungen,

aber in der Luft liegt ein Gefühl von Neuanfang.

 

Es kommt eine Zeit nach dieser Zeit.

Das hatte Gott seinem Volk ausrichten lassen,

als sie eingesperrt und isoliert waren.

Nicht bloß in ihren Häusern und Wohnungen,

sondern weit entfernt von ihrer Heimat,

in der Gefangenschaft in Babylon

in einer ganz fremden Umgebung.

 

Was Gott seinem Volk Israel hat ausrichten lassen,

das höre ich heute, 2.500 Jahre später,

immer noch als ein Trostwort.

 

Viele haben es zu mir gesagt

und ich habe es mir manchmal auch selbst gesagt:

Es wird vorbeigehen.

Es kommen auch wieder andere Zeiten.

 

Wenn man sie fast überstanden hat,

sind selbst acht Wochen Isolation gar nicht mehr so lang, wie sie sich zwischendurch angefühlt haben.

Und dann legen wir wieder los

und alles wird wie vorher.

 

Gott lässt den Loslegern in seinem Volk aber auch noch etwas anderes ausrichten:

Es kommt eine Zeit

und sie soll anders sein als die Zeit vorher.

 

„Ich will mit dem Hause Israel und dem Hause Juda einen neuen Bund schließen“, sagt Gott.

Wir machen einen Neuanfang nach der Katastrophe. Aber wir machen bitte nicht weiter wie bisher.

 

Gott hat da so seine Erfahrungen mit seinem Volk.

Das mit dem Bund zwischen ihm und ihnen war gelegentlich eine etwas einseitige Sache.

Sie haben sich nicht daran gehalten,

an diese Tafeln mit den Geboten,

auf denen in zehnfacher Variation nichts anderes stand als:

„Du sollst den HERRN, deinen Gott, lieben von ganzem Herzen, von ganzer Seele und mit all deiner Kraft.“       (5. Mose 6,5).

 

Denn auch die Kraft,

den Nächsten zu lieben,

kommt aus der Kraft der Liebe zu Gott.

 

Sie kommt aus dem gleichen Herzen und der gleichen Seele.

Weil wir ganze Menschen sind.

 

Es geht nicht,

dass ein Teil von uns Gott von Herzen liebt

und ein anderer Teil von uns sich nicht für den Nächsten interessiert.

 

Die Worte von vor 2.500 Jahren sind ein Einspruch gewesen für all die Weitermacher und Losleger damals.

Und sie sind es heute noch.

 

Es muss sich etwas ändern.

 

Es gibt kein „weiter wie vorher“.

Eines haben uns die acht Wochen,

die wir hinter uns haben,

doch offenbart:

 

Es ist an vielen Stellen zum Vorschein gekommen,

wie es wirklich um die Liebe zu unseren Nächsten

und damit auch um unsere Liebe zu Gott bestellt ist.

Es hat überall auf der Welt vor allem die Armen und Schwachen besonders getroffen

 

Und wo wird jetzt das Geld investiert,

wo werden die finanziellen Rettungsschirme aufgespannt?

Nicht für die schlecht bezahlten Pflegekräfte.

Nicht für die Familien,

in denen Kinder viel mehr Unterstützung brauchen,

als ihre Eltern sie ihnen geben können.

Und auch nicht für die Arbeiter,

die unter menschenunwürdigen Bedingungen in den Großschlachtereien am Band stehen

und in Sammelunterkünften leben,

damit wir unser Fleisch besonders billig einkaufen können.

 

Das alles war vor dieser Zeit schon da.

Und es war falsch.

 

Und jetzt kommt die Zeit danach

(oder ist es nur die Zeit zwischen der ersten und der zweiten Welle?)

- und wie wird es jetzt?

 

Gott macht sich nichts vor,

nicht einmal im Blick auf die Menschen,

die er sich als sein Volk ausgesucht hat,

die er wie kleine Kinder an die Hand genommen

und in die Freiheit geführt hat.

 

Denn er hat uns nun einmal in die Freiheit geführt.

Wir entscheiden selbst,

was wir tun und was wir lassen.

 

Ob uns die Zeit unserer „Gefangenschaft“, unseres Eingesperrt-und-Eingeschränkt-Seins wirklich spürbar verändert hat?

Die Herzen weicher geknetet,

den Sinn neu und anders ausgerichtet?

 

Sehen kann man es vielleicht daran:

Ob wir aufhören, unsere Brüder und Schwestern lehren zu wollen,

was sie zu tun haben,

anstatt bei uns selbst anzufangen.

 

Scheinbar seit fast 2.500 Jahren ist das eine beliebte Ausweichstrategie.

 

Aber es geht nicht um die anderen,

es geht um uns.

 

„Ich will mein Gesetz in ihr Herz geben

und in ihren Sinn schreiben,

und sie sollen meine Volk sein

und ich will ihr Gott sein“.

 

Gott ändert sich nicht.

Der Inhalt des ersten ist auch der Inhalt des neuen Bunds.

 

Aber ob wir Menschen uns ändern,

uns etwas von dem,

was wir erlebt haben,

wirklich zu Herzen nehmen,

einen neuen Sinn suchen,

das wird sich zeigen.

In der Zeit nach dieser Zeit. Amen

 

Fürbitt-Gebet

Barmherziger Gott,

ich freue mich mit den Eltern und Geschwistern über die Geburt von Felizia.                                                                    

Segne und behüte dieses Kind und die ganze Familie. Lass ihren Namen wie ein guter Stern über ihrem Leben stehen:                                                                                     

Glück, Gesundheit und Gottes Segen mögen sie begleiten.                                                                

Schenke der Mutter rasche Erholung von den Anstrengungen der Geburt.

Ich freue mich über den neuen Konfi-Kurs:                                    

13 Mädchen und Jungen aus St Markus und Katharina von Bora.                                                                                       

Ich danke dir über den Segen von insgesamt neun jugendlichen Teamern.                                                                 

Hilf, dass wir – trotz der etwas schwierigen Umstände – genauso viel Freude an und mit diesem Kurs haben wie mit den vorherigen.                                                                  

Segne und behüte Konfis und Teamer,                                         

hilf ihnen im Glauben weiter zu wachsen                                         

 und in der Gemeinde Spaß, Unterstützung und Geborgenheit zu erfahren.

Ich bitte dich für einen schwer kranken Mann,                             

der schon seit Monaten als Intensiv-Patient betreut wird. Hilf ihm, die Krankheit zu tragen,                                             

 schenke Linderung von Beschwerden                                              

und stell ihm Menschen zur Seite, die ihn begleiten.

Ich bitte dich auch für die Ehefrau und die ganze Familie. Steh ihnen bei.                                                                          

Hilf ihnen, ihn so gut es derzeit geht zu begleiten. Schenke ihnen jeden Tag die Kraft die sie brauchen.

 

Vaterunser

Vater unser im Himmel                                                     

Geheiligt werde dein Name.                                                         

Dein Reich komme.
Dein Wille geschehe,
wie im Himmel, so auf Erden.
Unser tägliches Brot gib uns heute.
Und vergib uns unsere Schuld,
wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.
Und führe uns nicht in Versuchung,
sondern erlöse uns von dem Bösen.
Denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit.  Amen.

 

 

 

Ein Segen aus Irland

 

Licht um dich herum                                                                 

Segen sei mit dir,                                                                           

der Segen des strahlenden Lichtes,                                              

Licht um dich her                                                                            

und innen in deinem Herzen.

Sonnenschein leuchte dir                                                               

und erwärme dein Herz,                                                                    

bis es zu glühen beginnt                                                                      

wie ein großes Torffeuer,                                                                

und der Fremde tritt näher,                                                          

um sich daran zu wärmen.

Aus deinen Augen strahle                                                        

gesegnetes Licht                                                                              

wie zwei weiße Kerzen                                                                    

in den Fenstern deines Hauses,                                                   

die den Wanderer locken,                                                     

Schutz zu suchen dort drinnen,                                                    

vor der stürmischen Nacht.

Wenn du auch triffst,                                                                

wenn du über die Straße gehst,                                                       

ein freundlicher Blick von dir                                                        

möge ihn treffen. Amen

 

Stille

 

Kerze auspusten