Gottesdienst an Neujahr 2021 (Lk 6,26)

Musik

Votum

P       Wir feiern diesen Gottesdienst im Namen Gottes, des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes.

G      Amen.

P     Der Herr sei mit Euch

G      und mit deinem Geist

 

Freie Begrüßung

 

Jesus Christus lehrte die Seinen:

Seid barmherzig,

wie euer Vater im Himmel barmherzig ist

Mit der Jahreslosung 2021 begrüße ich Sie,

liebe Gemeinde, 

zu diesem Gottesdienst am Neujahrstag.

Ich wünsche Ihnen und all Ihren Lieben ein gutes,

gesundes und gesegnetes neues Jahr.

 

Lied EG 61, 1-4 Hilf, Herr Jesu, lass gelingen

        (Melodie Tut mir auf)

 

Kollektengebet

 

Ewiger Gott,

du hast uns versprochen, immer mit uns zu sein;

durch Jesus, deinen Sohn,

hast du deine Verheißung erfüllt.

Durch ihn schenkst du uns Vertrauen, Hoffnung und Liebe.

Mit ihm können wir das neue Jahr getrost beginnen

und unseren Weg voll Zuversicht gehen.

Dafür danken wir dir durch Jesus Christus,

deinen Sohn, der mit dir in der Einheit des

Heiligen Geistes lebt und wirkst in Ewigkeit.

G      Amen.

 

Lesung

Glaubensbekenntnis

 

Lied EG 30, 1-3 Es ist ein Ros entsprungen  

 

Predigt Lukas 6,36

Durch das neue Jahr begleitet uns Christinnen und Christen ein Jesuswort:
Seid barmherzig, wie auch euer Vater barmherzig ist.

Das ist ein Wunsch,

den ich für uns alle als Gemeinschaft für das Jahr 2021 habe:

Barmherzigkeit und Geduld miteinander,

der tiefe Blick,

der im anderen Menschen ein Kind Gottes sieht,

der Liebe wert,

des Respektes würdig,

wunderbar und einzigartig,

mir jetzt gerade anvertraut.

 

Seid barmherzig, wie auch euer Vater barmherzig ist.

 

Barmherzigkeit ist ein mütterliches Gefühl.

Und das geradezu wortwörtlich:

 

Das hebräische Wort für Barmherzigkeit, Gnade, Erbarmen heißt „rachamim“.

Es hat die gleiche Wurzel wie das Wort „rächäm“ welches Gebärmutter bedeutet.

 

Der Begriff bringt zum Ausdruck,

wie das himmlische mit dem irdischen verbunden ist: 

 

Eine schwangere Frau spürt das werdende Leben

und will es beschützen.

Das ist Barmherzigkeit.

Ein mütterliches Gefühl.

 

Ein eindrückliches Bild:

Die Barmherzigkeit Gottes gleicht einem Gefäß der Neugeburt.

Gott hat uns voll Liebe im Schoße unserer Mutter geformt,

mit einer Bestimmung für jeden und jede von uns,

die ihren Ursprung im Herzen unseres Schöpfers hat.

 

Jedes Mal,

wenn wir Barmherzigkeit üben,

bestätigen wir,

dass wir nach Gottes Ebenbild geschaffen sind.

 

Das Gefühl der Barmherzigkeit ist keine Kopfsache.

Es beginnt tief im Bauch,

warm und weich,

leuchtend und nährend.

 

Barmherzigkeit ist ein Bauchgefühl,

das das Herz bewegt,

den ganzen Körper erfasst,

alles weit und freundlich werden lässt,

bis die Liebe das ganze Sein überflutet.

 

Barmherzigkeit ist zu allererst eine mütterliche und väterliche Bewegung:

Da sehen Eltern ihre Kinder an,

sehen das Wunderbare und Freundliche an ihnen, spüren die Liebe,

die sie für dieses Kind empfinden

und Ärger und Zorn vergehen.

Was zählt, ist die Liebe.

Sie bleibt.

 

Da steht eine Mutter ohne Fragen zu ihrem Sohn,

der Probleme mit Drogen hat:

„Was auch immer ist,

Du kannst wieder nachhause kommen,

bekommst zu essen und ein Bett zum Schlafen!

Du bist mein Kind!“

Geld hat sie ihm nicht gegeben.

 

Am Ende hat – Gott sei Dank – auch ihre unerschütterliche Liebe ihm geholfen,

sich wiederzufinden

und einen guten Weg ins Leben zu gehen.

 

Da unterstützt ein Vater seine Tochter beim beruflichen Neuanfang,

obwohl sie ihn vorher betrogen hat.

„Du bist mein Kind!“

 

Das steht für ihn nicht infrage,  

und so hilft er ihr,

ihren ganz eigenen Lebenstraum zu leben

und auf erfüllte Weise glücklich zu werden.

 

Genau so sieht Gott uns an,

Dich und mich.

„Du bist mein Kind!“

 

Was auch immer wir tun,

welche Irrwege auch immer wir gehen,

welche Schuld wir auch auf uns laden,

eines steht niemals in Frage:

Gottes unerschütterliche Liebe zu uns.

 

Wenn wir umkehren,

unsere Fehler einsehen,

unsere Schuld eingestehen,

und neu anfangen,

schaut Gott uns barmherzig an.

„Du bist mein Kind!“

 

Das gibt uns eine eigene Würde

und trägt im Leben.

Gottes Liebe geht mit.

 

Seid barmherzig,

wie auch euer Vater barmherzig ist.

 

Wer barmherzig ist,

wird darin Gott ähnlich.

 

Die Liebe Gottes,

die alle Menschen als seine Kinder ansieht,

ist die große Klammer,

die alles umfasst.

 

Er liebt uns alle,

die Zerstrittenen und die Konkurrierenden,

die Verletzten und die Schuldigen,

die Armen und die Reichen,

die Harmonieliebenden und die Streitbaren,

die Träumerinnen und die Realisten.

 

Jesus sagt:

„Seid barmherzig!“

Für mich heißt das:

Schaut einander mit den Augen Gottes an.

Urteilt nicht hart übereinander,

wertet einander nicht ab,

seht im anderen Menschen ein geliebtes Kind Gottes, das Liebe braucht,

Barmherzigkeit,

einen freundlichen Blick,

und die Wärme einer mitmenschlichen Begegnung.

 

 

Mir ist über die Jahre eine Erkenntnis wichtig geworden:

Jeder und jede verhält sich immer so,

wie es für ihn oder sie gerade jetzt die bestmögliche Lösung ist.

Dabei bewegen uns unsere Gefühle:

Ängste und Sehnsüchte,

Sicherheit und Verunsicherung,

Verletzungen und Selbstbewusstsein.

 

Das Leben hat uns geprägt.

Und das,

was wir gerade tun

und wie wir uns eben jetzt verhalten,

ist für uns gefühlsmäßig richtig,

auch wenn unser Verstand im Blick zurück das oft anders sieht.

Das wahrzunehmen,

an das Gute in den Menschen zu glauben

dem anderen nichts Schlechtes zu unterstellen

sondern dem anderen positive Motive zuzutrauen

und ihm oder ihr immer wieder eine Chance zu geben,

-      das ist Barmherzigkeit.

 

Menschen wachsen und entwickeln sich,

wenn sie geliebt werden.

Vielleicht braucht es von meiner, von Deiner Seite in diesem Jahr eine freundliche Geste,

eine offene Hand,

ein liebes Wort, um Brücken zu bauen,

damit Mitmenschlichkeit und neue Gemeinschaft wachsen kann.

 

Und Gott sieht das Gelingen freundlich an

und freut sich mit uns an dem Guten, das wächst.

 

Seid barmherzig,

wie auch euer Vater barmherzig ist.

 

Jesus erzählt das Gleichnis vom König,

der über die Menschen richtet

und den Maßstab für barmherzige Mitmenschlichkeit setzt:

 

„Was ihr für einen meiner Brüder oder eine meiner Schwestern getan habt

 - und wenn sie noch so unbedeutend sind –

das habt ihr für mich getan.“ (Matthäus 25,40)

 

Jesus begegnet uns in den Menschen,

die Hilfe, Unterstützung und Nähe brauchen.

 

Er zählt das auf:

Wer Hungernden zu essen gibt,

Durstigen zu trinken,

Nackten Kleidung

und Heimatlosen einen Ort zum Sein,

wer Kranke pflegt

und Gefangene besucht,

der handelt barmherzig

und ist im Tun Gott nah,

denn Gott ist barmherzig.

 

Barmherzigkeit wird lebendig mit Augen,

die die Not und die Bedürftigkeit anderer sehen,

mit Herzen, die mitfühlen,

und in der Freude daran, anderen zu helfen.

 

Wenn wir barmherzig sind,

folgen wir der Bewegung Gottes zu denen hin,

die Hilfe brauchen und Nähe,

Solidarität und Freundlichkeit,

Vergebung und Unterstützung.

 

Barmherzig zu handeln heißt,

das mir Mögliche zu tun,

um diese Welt besser zu machen.

 

Ganz sicher kann ich das nicht alleine.

Sich dann mit anderen zusammen zu tun,

Netzwerke zu knüpfen,

Hilfe zu organisieren,

die zu unterstützen,

die sich beruflich um unsere Nächsten kümmern, gehört auch zum barmherzigen Tun.

 

Wo und wie auch immer wir helfen:

Im Gesicht meines Mitmenschen sieht mich Jesus an.

 

Als einzelne können wir nicht jede Not lindern

und nicht jede Hilfe leisten können

Deshalb brauchen wir Strukturen der Barmherzigkeit: eine Gesellschaft,

in der Solidarität untereinander

und Respekt vor der Würde eines jeden Menschen

die tragenden Werte sind.

 

Ich bin froh und dankbar,

dass wir das hier in Deutschland in vieler Hinsicht leben können.

Aber natürlich fallen auch mir noch viele Bereiche ein,

in denen es besser, freundlicher, mitmenschlicher zugehen könnte.

 

Ich will das mir Mögliche dazu tun,

an meinem Platz, mit meinen begrenzten Kräften etwas zu verändern.

 

Barmherzigkeit ist das Gegenteil von Hartherzigkeit, von Egoismus und Selbstsucht.

Ein barmherziger Mensch hat ein mitfühlendes Herz, er, sie spürt und sieht,

wenn jemand Hilfe braucht,

ist bereit zu helfen und für den

oder die andere da zu sein.

 

So werden wir Gott ähnlich!

Manches davon fällt einem leicht und ist selbstverständlich …

anderes fordert einen heraus,

kostet Mut und Geduld.

Da muss ich an mir arbeiten.

Das geht Dir, geht Ihnen wahrscheinlich nicht anders.

 

Eine der größten Herausforderungen ist es,

nicht zu anderen barmherzig zu sein

sondern auch zu mir selbst.

 

Wo ich anderen kleine Fehler und Unzulänglichkeiten leicht verzeihen kann,

fällt es mir oft schwer,

mir selbst gegenüber barmherzig zu sein

Da sehe ich dann nur noch,

was nicht schaffe,

wo ich an meinen eigenen und den Ansprüchen anderer scheitere,

und meiner eigenen Unvollkommenheit begegne:

 

Dann darf, dann muss ich mich daran erinnern,

dass Gott auch mich voller Liebe ansieht.

Nur wenn ich im Herzen annehmen kann,

dass ich Gottes geliebtes Kind bin,

kann ich mir selbst gegenüber barmherzig sein

und – im zweiten Schritt –

dann auch anderen barmherzig begegnen

 

Nach dem vergangenen Jahr,

das so sehr geprägt war von Zank und Hader,

von Unbarmherzigkeit

und dem Unwillen,

auch mal über Fehler hinwegzusehen und zu verzeihen,

ist es gut, dass über dem Jahr 2021 da Motto der Barmherzigkeit steht: 

 

Seid barmherzig, wie auch euer Vater barmherzig ist.

 

Ich wünsche Dir und Ihnen, ein offenes, empfindsames und barmherziges Herz für die Menschen und unsere Welt,

damit unsere Welt barmherziger wird

und Gott näher kommt! Amen.

 

Lied EG 35, 1-3 Nun singet und seid froh

 

Abkündigungen

 

Lied EG 36, 1-3 Fröhlich soll mein Herze springen

 

 

Die Kollekte heute ist bestimmt für unserer

Partnergemeinde in Chimala, Tanzania. 

 

Mit dem Spendenportal Twingle hat unsere Gemeinde

eine sichere und bequeme Möglichkeit gefunden,

wie Sie eine Online Kollekte geben.

 

Wir danken für alle Unterstützung für unsere

Partnergemeinde Chimala und / oder auch für die

Eigene Gemeinde

Den Link zu Twingle finden Sie auf der Homepage

oder hier: 

https://spenden.twingle.de/katharina-von-bora-gemeinde-coburg/elkb/tw5faaa585f0ba1/page

 

Der die nächsten Gottesdienste finden am 6.1. und am 10., 1, um 10 Uhr jeweils um 10 Uhr und per zoom statt.

 

Fürbitten

 

Wir bitten dich, Gott,

lass das neue Jahr

ein Jahr der Gerechtigkeit werden –

für alle, die verspottet, missachtet und benachteiligt werden.

Lass das neue Jahr

ein Jahr der Freiheit werden –

für alle, die gedemütigt und verfolgt, unterdrückt

und eingesperrt werden.

Lass das neue Jahr

ein Jahr des Friedens werden –

für alle, die unter Streit, Gewalt und Folter,

unter Terror und Krieg leiden.

Lass das neue Jahr

ein Jahr der Barmherzigkeit werden –

für alle, denen das Notwendigste zum Leben fehlt.

Lass das neue Jahr

ein Jahr der Hoffnung werden –

für alle, die Angst vor der Zukunft haben.

Lass das neue Jahr

ein Jahr des Vertrauens werden –

für jede und jeden von uns,

die wir auf deine Nähe

und die Gemeinschaft von Menschen angewiesen sind,

weil wir ohne Liebe nicht leben können.

Amen.

 

Vater Unser

 

Lied EG 570, 1-3 Der Herr segne dich

 

Sendung und Segen

 

Seid barmherzig, wie auch euer Vater barmherzig ist.

 

Gottes Barmherzigkeit berühre
Dein Herz - warm und liebevoll -
und lasse dich erkennen:
Du bist Gottes Kind.


Gott ermutige dich neue Wege zu gehen

Den Weg des Friedens und  der Versöhnung

Gott schenke dir ein barmherziges Herz.

damit Du in dem Menschen neben Dir
Gottes geliebtes Kind siehst,

und ihn unterstützt wo er Hilfe braucht.

Gott segne Dich in diesem neuen Jahr
mit allem Guten,
mit Gesundheit
und mit der Liebe der Menschen,
die Gott Dir anvertraut!

So segne Dich der dreieinige Gott,
Vater, Sohn und Heiliger Geist! Amen.

 

Musik