Gottesdienst am Sonntag Trinitatis

Trinitatis (4. Mose 6, 22-27)

Musik 

Votum

P       Wir feiern diesen Gottesdienst im Namen Gottes, des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes.

G      Amen.

P     Der Herr sei mit Euch

G      und mit deinem Geist

 

Begrüßung

 

Ich begrüße Sie herzlich zu diesem Gottesdienst am Sonntag Trinitatis.

Heilig, heilig, heilig ist der Herr Zebaoth,                                alle Lande sind seiner Ehre voll. Jesaja 6, 3

 

Eingangslied EG 447, 1-3 Lobe den Herren, alle, die ihn ehren

 

Psalm 145 EG 794 im Wechsel gesprochen,

Joachim Hennings singt Antiphon

 

 

 


Confiteor

 

Wir sind zum Gottesdienst zusammengekommen,

weil Gott uns ruft.

Wir horchen auf und halten inne.

Wo wir versinken im Gleichmaß der Tage,

ruft Gott uns heraus.

Wo uns Sorge gefangen nimmt,

will Gott uns befreien.

Wo Schuld uns belastet,

will Gott sie uns nehmen.

Darum beten wir zu ihm:

Gott sei mir Sünder gnädig

G      Der allmächtige Gott erbarme sich unser,

er vergebe uns unsere Sünde

         und führe uns zum ewigen Leben.

 

Kyrie eleison (EG 178.3)

 

Der allmächtige Gott hat sich unser erbarmt:

Denn Jesus Christus spricht:

„Ich bin das Licht der Welt, wer mir nachfolgt, der wird nicht wandeln in der Finsternis,

sondern wird das Licht des Lebens haben.“

Wer das glaubt und getauft ist, der wird selig werden.

Das verleihe Gott uns alllen.

 
 
Gloria
 
L:          Ehre sei Gott in der Höhe

G:     und Friede auf Erden, den Menschen ein Wohlgefallen

 

Lasst uns Gott loben mit dem Lied

Lied EG 180.2 Gott in der Höh sei Preis und Ehr 

 

Tagesgebet

 

Gott,

Vater, Sohn und Heiliger Geist,

du bist bei uns.

Umgib uns mit deiner Gegenwart,

durchdringe uns mit deiner Liebe

und erfülle uns mit deiner Kraft,

dass wir leben und wirken können

aus deiner Fülle;

der du dreieinig lebst und irkst

von Ewigkeit zu Ewigkeit.

 

Lesung

Glaubensbekenntnis

 

Lied EG 139, 1-3 Gelobet sei der Herr

 

Predigt

Es gibt diese Orte, die besonders sind.

Orte, die eng mit meinem Glauben verbunden sind, weil ich dort das Gefühl hatte:

Hier ist Gott ganz nah.

Hier erlebe oder erfahre ich etwas mit Gott,

das ich anderswo nicht bekommen habe.

Vielleicht kennen Sie auch solche Orte.

 

Für mich war das als allererstes: mein Bett.

Jeden Abend hat meine Mutter meinen Schwestern und mir am Bettrand vorgelesen.

Mal Märchenbücher,

aber ganz oft aus der Kinderbibel.

Und dann haben wir gebetet.

 

Und es gab ganz besondere Zeiten.

Immer wenn meine Großtante Babette zu Besuch war,

hat sie auf dem Sofa in meinem Zimmer übernachtet.

Ich erinnere mich an viele lange Gespräche vorm Einschlafen – zwischen Sofa und Bett.

Über ihr Leben als Diakonisse, ihren Glauben über das was mich in der Zeit gerade beschäftigt hat

 

Der nächste Ort ist die St. Georgs Kirche in Brunn. Dort bin ich getauft worden,

hab am Kindergottesdienst teilgenommen,

beim Krippenspiel habe ich im Laufe der Jahre alle Rollen gespielt, vom Schaf bis zum Josef und Erzähler -

nur Maria oder ein Engel war ich nie

 

Wir sieben Konfirmanden haben dort vor dem versammelten Dorf unsere Prüfung abgelegt und sind in der Woche darauf gesegnet worden.

Danach war ich im Kindergottesdienst-Team und hab Krippenspiele angeleitet.

Ich hab einer Freundin Abende lang beim Orgel spielen zugehört.

 

Und bevor ich in die USA bin,

hab ich meiner Oma einen Herzenswunsch erfüllt,

und hab zum ersten Mal dort in meiner Heimatkirche gepredigt.

Und das war gut so,

ein halbes Jahr später ist sie gestorben.

 

Und so könnte ich noch ein paar Orte aufzählen,

die für mein Leben und meinen Glauben besonders wichtig waren

 

Und ich bin mir sicher,

sie haben auch solche Orte,

an denen Sie die Nähe Gottes besonders deutlich gespürt haben und spüren  

 

Orte, die eng mit meinem Glauben verbunden sind, aber von denen ich irgendwann wieder aufgebrochen bin.

 

Jedes Mal um ein paar Erfahrungen reicher,

aber auch mit der Frage im Kopf:

Was ist jetzt mit Gott?

 

Bleibt der da, oder kommt der mit?

Was kann ich mitnehmen von diesen besonderen Orten?

Was von diesen Erfahrungen hat Bestand,

wenn ich irgendwo anders meine Zelte aufschlage? Und wird es da auch diese besonderen Orte geben?

 

Das Volk Israel hat auf dem langen und anstrengenden Weg zwischen Ägypten und dem Jordantal,

zwischen Gefangenschaft und Freiheit,

auch einen solchen Ort gefunden.

 

Sie machen eine lange Rast am Fuße des Berges Sinai.

Der Gipfel ist wolkenverhangen,

und da oben redet Mose mit Gott.

Immer wieder kommt er runter

und bringt ein paar Gebote mit.

Nicht nur die berühmten Zehn,

sondern viele hunderte.

Regeln für das Miteinander im Alltag,

aber auch unzählige und zum Teil sehr genaue Bestimmungen für den Gottesdienst.

Fast so kleinschrittig wie die zwei Seiten Regeln,

die wir aufstellen mussten,

um wieder öffentlich Gottesdienst zu feiern.

 

Jetzt herrscht Aufbruchstimmung am Fuße des Berges.

Die Reise geht weiter.

Und was ist jetzt mit Gott?

 

Am Sinai wusste man:

Wenn man ihn braucht,

dann kann Mose jederzeit nach oben auf den Gipfel.

 

Nicht alles,

was er von oben mitbringt,

stößt auf ungeteilte Begeisterung,

aber es ist doch gut zu wissen:

Hier lässt Gott mit sich reden.

 

Wo wird Gott in Zukunft greifbar sein,

wenn die Reise weitergeht

und man den Berg der Gottesnähe hinter sich lässt?

 

Zwei Antworten hat Gott auf diese Frage.

Und beide sagen im Prinzip:

Es gibt Gott to go.

Es gibt Gott zum Mitnehmen.

Oder besser: Gott zum Mitgehen.

 

Die eine Antwort ist eine lange Bauanleitung und Gebrauchsanweisung für ein besonderes Zelt,

in dem die Bundeslade mit den zehn Geboten aufbewahrt wird

und in dem Gott seine Sprechstunde anbietet.

 

Die zweite Antwort ist der heutige Predigttext:

 

Und der HERR sprach zu Mose:

Rede zu Aaron und seinen Söhnen:

So sollt ihr die Israeliten segnen,

sprecht zu ihnen:

 

Der HERR segne dich und behüte dich.

Der HERR lasse sein Angesicht leuchten über dir und sei dir gnädig.

Der HERR erhebe sein Angesicht zu dir

und gebe dir Frieden.

So sollen sie meinen Namen auf die Israeliten legen, und ich werde sie segnen.

 

Worte, die bekannt sind,

die wir seit Martin Luther am Ende fast jedes Gottesdienstes hören.

 

Worte, die Heimat bieten,

die ein Dach über dem Kopf sein können,

wenn es regnet und stürmt,

die Zuflucht bieten in den Wüstenwanderungen des Lebens.

 

Es gibt diese besonderen Orte,

an denen man das Gefühl hat:

Hier ist Gott nah.

 

Aber wenn man aufbricht

und diese Orte verlässt,

dann bleiben Worte,

an die Gott sich bindet.

 

Worte, die nicht nur das Gefühl geben:

Gott ist da, sondern die auch noch sagen:

Und das macht einen Unterschied.

 

Der Herr segne dich und behüte dich.

 

Die Worte sind bezeichnend.

Im wahrsten Sinne des Wortes

– unser deutscher Ausdruck kommt vom lateinischen „signare“

und bedeutet nichts anderes als: Bezeichnen.

 

Wer gesegnet ist,

der ist von Gott markiert,

und die alte Vorstellung ist,

dass es Dinge gibt,

die von diesem Zeichen angezogen werden,

wie Nachtfalter vom Licht:

Gesundheit und Glück, Wohlstand und Frieden.

 

Der Herr behüte dich…

 

Gewichtige Worte,

weil sie die unausgesprochene Fortsetzung nahe legen:

… und du wirst das brauchen.

 

Es wird Zeiten geben,

da wird dir deutlicher sein als sonst,

dass dein Leben gefährdet,

dein Wohlstand zerbrechlich,

deine Kraft begrenzt ist.

 

Zeiten, in denen Du hören musst:

Du bist nicht allein.

Und der,

der mit dir unterwegs ist,

der sich „to go“ anbietet,

ist kein geringerer als der Schöpfer der ganzen Welt mit all ihren Seen und Felsklippen, Sternen und Grashalmen, Spatzen und Lilien.

Er überlässt seine Schöpfung nicht einfach sich selbst.

Und mehr noch:

 

Der Herr lasse sein Angesicht leuchten über dir und sei dir gnädig.

 

In den letzten Tagen habe ich mit so manchen Leuten gesprochen,

die erzählt haben,

wie schön es war,

wieder „richtig“ Gottesdienst zu feiern.

Vor allem, weil man endlich wieder in vertraute Gesichter blicken kann.

Wenn auch unter Masken

 

Und ich muss auch sagen:

Es macht das Predigt schreiben weitaus leichter, wenn man echte Menschen vor sich hat,

für die man schreibt.

 

Und bei aller Freude am Digitalen

– es geht doch nichts über eine Begegnung von Angesicht zu Angesicht.

 

Und noch schöner,

wenn das Gesicht meines Gegenübers strahlt,

so sehr,

dass man es sogar in den Augen

und damit trotz Maske sehen kann.

 

Der Herr lasse sein Angesicht leuchten über dir.

 

Auch, wenn der Himmel über dir verhangen ist, auch, wenn du dein eigenes Gesicht nur schwer im Spiegel ertragen kannst –

Gott sieht dich an.

Und strahlt dabei.

 

Und Sie kennen das aus dem Alltag

– so ein Angestrahlt-Werden kann einen Menschen verwandeln,

manchmal in Sekundenbruchteilen.

 

Man wird angestrahlt,

und plötzlich ziehen sich die eigenen Mundwinkel nach oben,

und innen drin löst sich etwas.

 

Das strahlende Gesicht meines Gegenübers wärmt wie die Sonnenstrahlen,

und irgendwo klingt leise einer der schönsten Sätze,

die je ein Mensch zu Papier gebracht hat:

 

Ich bin gewiss,

dass weder Tod noch Leben,

weder Engel nochMächte noch Gewalten,

weder Gegenwärtiges noch Zukünftiges,

weder Hohes noch Tiefes noch eine andere Kreatur uns scheiden kann von der Liebe Gottes,

die in Christus Jesus ist, unserm Herrn.

 

 

Der Herr erhebe sein Angesicht auf dich und schenke dir Frieden.

 

Im Hebräischen ergießen sich die Worte des Segens wie ein Strom,

der sich immer mehr verbreitert

und schließlich ins Meer mündet.

Erst drei Wörter, dann fünf, dann sieben.

Der Segen ist groß gedacht.

 

Gott schenke dir Frieden.

Den inneren Frieden,

den du spürst,

wenn du dich angelächelt, von Gottes leuchtendem Angesicht angesehen weißt,

ja, den auch.

 

Und noch mehr:

Gott leite deine Schritte auf einem Weg,

der zum Frieden und zur Gerechtigkeit für alle Welt führt.

Das ist das Ziel.

Das ist der Weg.

Das ist die Zukunft.

 

Eine Welt,

in der jeder und jede genug zum Leben hat.

In der Schwerter zu Pflugscharen umgeschmiedet werden,

Soldatenhelme zu Kochtöpfen umfunktioniert

und Fahnen und Flaggen zu buntgesteppten Decken umgenäht werden.

 

Da wird der Wolf beim Lamm wohnen,

und Kuh und Bärin werden miteinander weiden.

 

Da wird Donald Trump seine Bibel aufschlagen

und darin lesen

und sich gewaltig schämen,

und er wird mit Kim Jong Un gemeinsam Rosen züchten

und den Opfern ihrer Politik persönlich einen Strauß überreichen mit einer kleinen Karte: „Please, forgive me.“

 

Der rechtsextreme Schläger wird von der Syrerin lernen,

wie man Brot backt.

Der weiße Polizist wird dem schwarzen Passanten die Tür aufhalten.

 

Und der inspirierende Geist von Pfingsten weht durch die Luft und verwandelt unsere Sprache,

und Kurdisch und Türkisch werden so verwandt klingen wie Fränkisch und Sächsisch.

 

Es gibt diese besonderen Orte,

an denen man das Gefühl hat:

Gott ist ganz nahe.

Für mich waren das unter anderem mein Kinderbett, die Brunner Kirche, in der ich viel Zeit in meiner Kindheit und Jugend verbracht habe. Das Feierabendhaus Büchelberg, die Kapelle und das Refektorium am Wartburg Seminary, .. .

 

Die Orte haben gewechselt,

die Worte sind dieselben geblieben.

Diese besonderen Worte,

von denen Gott verspricht:

An diesen Worten hänge ich.

Und an denen, über die sie gesprochen werden.

 

Wo bleibt Gott,

wenn ich von diesen besonderen Orten aufbreche?

 

Er bleibt dabei.

Gott to go.

Gott zum Mitnehmen.

 

Das heißt nicht,

dass Gott sich einpacken und in die Tasche stecken lässt.

 

In den Anweisungen zum aaronitischen Segen wird das ganz deutlich:

Ihr sollt meinen Namen auf die Israeliten legen,

und ich werde sie segnen.

 

Der, der segnet, ist und bleibt Gott.

Deswegen gehört der Segen nicht nur in die Hände,

gehören die Worte nicht nur in die Münder von Priestern und Pfarrerinnen.

 

Wenn wir davon ausgehen,

dass Gottes Segen einen Unterschied macht,

dann braucht die Welt weit mehr und weitaus öfter Segen als nur am Sonntagmorgen.

 

Beim Anschneiden eines frisch gebackenen Brotes oder im kurzen Innehalten vor dem Essen.

An den Höhe-, Tief- und Wendepunkten des Lebens,

bei den großen und kleinen Abschieden.

 

Manche kennen das noch von früher:

Eltern, die ihre Kinder segnen,

wenn sie morgens zur Schule gehen.

Die ihnen damit sagen:

Wo du hingehst, kann ich dich nicht auf Schritt und Tritt begleiten.

Aber ich gebe dir etwas anderes mit.

Gott to go.

Du bist nicht allein. Niemals. Amen.

 

Musik

 

Abkündigungen

 

Lied EG 171, 1+2  Bewahre uns Gott

 

Fürbitten

 

Barmherziger Gott,

ich bete für George Floyd,                                                          der von vier Polizisten 8 Minuten und 46 Sekunden erbarmungslos niedergedrückt wurde.                                   Auch auf den Ruf „Ich kann nicht atmen“,                           den Ruf nach seiner Mama                                                      und schließlich der Bewusstlosigkeit wurde ihm kein Erbarmen gewährt.                                                      Schenke du ihm nun dein Erbarmen                                   und ewiges Leben bei dir.

Ich bete für die Familie von George Floyd,                        aus deren Mitte er durch den gewaltsamen Tod herausgerissen wurde.                                                    Segne sie auf dem Weg der Trauer mit Trost, Kraft und Liebe.                                                                              Heile ihren Schmerz und ihren Zorn.

Ich bete für alle die wütend sind über den Tod von George Floyd,                                                                     ein weiteres Opfer in einer langen Reihe von Opfern systemischer, rassistischer Polizeigewalt gegen Schwarze und Hispanics.                                      “Genug ist genug“, so fordern sie zu Recht.                     Die Sünde des Rassismus muss ein Ende finden, auch im Alltag.                                                            Nicht nur in den USA,                                                    sondern auch bei uns in Deutschland.                                 Hilf, dass die Proteste friedlich bleiben.                        Wehre aller Gewalt und allen Plünderungen.

Ich bete auch für die Regierung der USA.                         Wehre den wirren Bestrebungen des Präsidenten, Militär und Gewalt gegen das eigene Volk einzusetzen.                                                                            Hilf doch,                                                                            dass verantwortliche Menschen in der Regierung genug Rückgrat haben,                                                              ihm zu widerstehen                                                               und ihn zu Mäßigung und Besonnenheit zurück bringen.                                                                               Lass Menschen aufstehen,                                                   die nicht weiter Öl ins Feuer gießen,                                       sondern für Versöhnung und echten Fortschritt arbeiten.                                                              Barmherziger Gott, schenke Frieden und Gerechtigkeit.

Bewahre uns von der Sünde des Hochmuts,           auf andere herunter zu schauen.                                   Befreie auch uns von den Sünde der Vorurteile, des Rassismus und der Diskriminierung von Menschen aufgrund ihrer Herkunft, ihrer Religion ihre Hautfarbe, ihres Geschlechts oder ihrer sexuellen Orientierung.                                                Hilf uns seine Schöpfung in all ihrer Vielfalt anzunehmen und zu feiern.

 

Vater unser

 

Segen

 

Der HERR segne dich und behüte dich;

der HERR lasse sein Angesicht leuchten über dir und sei dir gnädig;

der HERR hebe sein Angesicht über dich

und gebe dir Frieden.

 

Nachspiel