Gottesdienst am Sonntag Lätare - räumlich getrennt und doch vereint

Coburg, 22. März 2020 um 10 Uhr
Gottesdienst: Viele Früchte
zu Hause und mit allen –
durch den Geist verbunden
 
Liebe Gemeinde, liebe Nachbarn im Viertel,
So vieles ist anders dieser Tage; auch der Gottesdienst sucht sich neue Wege.
Wir feiern den Sonntag Lätare, „Klein-Ostern“ wird der Sonntag in der Mitte der Passionszeit genannt, ein Aufatmen in dieser schweren Zeit.
„Freut euch“ bedeutet Lätare übersetzt. Das fällt gar nicht so leicht angesichts so vieler schlimmen Nachrichten, angesichts von so viel Leid, Angst und Sorge um uns herum.
Der Gottesdienst will Mut machen und Hoffnung wecken, dass auch im Schweren Neues wachsen kann, - den Blick weiten, dass in der belastende Zeit der Ausgangsbeschränkung auch die Chance liegt, Neues zu entdecken und Altes neu.
Gott behüte Sie und Ihre Lieben. Bleiben Sie gesund.
Herzliche Grüße,
Detlev Juranek
 

Kerze anzünden
Stille

 

Gebet

Gott,
ich bin hier (wir sind hier)
allein
und doch durch deinen Geist alle miteinander verbunden
So feiere ich, so feiern wir

räumlich getrennt und doch vereint
in deinem Namen Gottesdienst

Im Namen des Vaters und des Sohnes
und des Heiligen Geistes

 

Aus Psalm 84

Wohl denen, die in deinem Hause wohnen;

die loben dich immerdar. 

Wohl den Menschen, die dich für ihre Stärke halten

und von Herzen dir nachwandeln!

Wenn sie durchs dürre Tal ziehen,

wird es ihnen zum Quellgrund,

und Frühregen hüllt es in Segen.

Sie gehen von einer Kraft zur andern

und schauen den wahren Gott in Zion.

HERR, Gott Zebaoth, höre mein Gebet;

vernimm es, Gott Jakobs! 

 

Stille

 

Lesepredigt

Wenn das Weizenkorn nicht in die Erde fällt und erstirbt, bleibt es allein;
wenn es aber erstirbt, bringt es viel Frucht.

Und plötzlich ist alles anders.
Seltsam ist das.
Das Fenster ist offen.
Die Amseln singen endlich wieder
Und ich habe Blumen in meinem kleinen Garten gepflanzt.
Endlich Frühling und mich zieht es nach draußen.
Und dann – ach nee, da war ja was.
Plötzlich ist alles anders.

Ich vermisse meine Eltern – zusammen am Küchentisch sitzen und reden.
Ich würde so gerne mit meinen Freunden ein Eis essen gehen.
Und mein Patenkind beim Schaukeln anstupsen.
Alles das – untersagt. Im Alltag gestrichen.

Und plötzlich ist alles anders.
Ich brauche meinen Kalender nicht mehr.
Den hab ich die Tage noch in der Hand gehabt – aber nur, um Termine abzusagen.
Und jetzt? Jetzt lebe ich von einem Tag auf den anderen.
Habe mehr Zeit.
Mehr Zeit für Menschen. Mehr Zeit zum Reden.
Nicht „in echt“. Aber über Telefon.
Mein Leben wird langsam.

Gerade erstirbt so vieles, was mein Leben bestimmt hat.
Meine regelmäßigen Termine.
Meine Kirchensonntage.
Mein Selbstverständnis von Leben.
Keine Blumensträuße kaufen.
Keine herzliche Umarmung.
Und vom geplanten Urlaub reden wir schon lange nicht mehr.

Wenn das Weizenkorn nicht in die Erde fällt und erstirbt, bleibt es allein;
wenn es aber erstirbt, bringt es viel Frucht.

Gerade erstirbt so vieles
Und das tut mir in der Seele weh.
Es erstirbt aber auch mancher Stress.
Und manches Tun, das man eben so tut, weil man es so macht.
Und mit dem Wegfall des Alten entsteht Platz für Neues.
Andere Dinge gehen auf.
Neue Ideen, vorher am Schlummern, kommen ans Licht.
Wachsen und gedeihen, weil viele darauf aufpassen.
Weil viele den Acker bestellen.
Manches noch zarte grüne Pflänzchen
Anderes schon etabliert.
Hilfe vom einen Haus zum anderen.
Ein Netz aus helfenden Menschen spannt sich
durch unsere Dörfer und Städte.
Verbindungen werden neu geknüpft.
Zwischen Vereinen, Gruppen und Parteien.
Und Menschen entdecken neue Wege,
um sich zu hören, sich zu sehen, voneinander zu erzählen.

Wenn das Weizenkorn nicht in die Erde fällt und erstirbt, bleibt es allein;
wenn es aber erstirbt, bringt es viel Frucht.

Ich wünsche mir, dass Gott seinen Segen
über unseren Acker gießt.
Damit vieles aufgeht
und aus den zarten Pflänzchen der neuen Ideen
eine bunte Wiese wird.
Keine, die auf 3 cm Höhe getrimmt ist,
sondern eine, die wachsen darf.
Mit vielen Blumen
und verzweigten Wurzeln, die auch dem Unwetter Stand halten.
Zur Freude Gottes und zum Nutzen aller.
Amen.

 

Nach-gedacht

 

Hast du in den vergangenen Tagen etwas getan oder gelernt, das neu für dich war?

 

 

Fürbitt-Gebet

 

Umgib mich, Gott, so wie du alles umgibst.

Du schaffst neues Leben.

Aus der Mitte des Dunkels wachse ich ins Licht.

 

Dunkel oder Licht:

Du bist bei mir.

Ich freue mich, Gott.

 

Ich bitte für
alle, die ich lieb habe,

denke an sie.

Ich wünsche ihnen...

 

Ich denke an alle Kranken.

Und an alle Kranken in Krankenhäusern,                     

an alle alten Menschen in den Sniorenheimen

die keinen Besuch haben können.

Sei ihnen nah...

 

Ich denke an alle, die helfen.

Sie setzen sich und ihre Kraft und ihre Gaben ein füreinander.

Lass sie gesund bleiben.

 

Ich denke an/ ich bitte für…

 

 

Vaterunser

Vater unser im Himmel
Geheiligt werde dein Name.
Dein Reich komme.
Dein Wille geschehe,
wie im Himmel, so auf Erden.
Unser tägliches Brot gib uns heute.
Und vergib uns unsere Schuld,
wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.
Und führe uns nicht in Versuchung,
sondern erlöse uns von dem Bösen.
Denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit.  Amen.

 

Segen

 

Gott segne uns und behüte uns
Gott lasse sein Angesicht leuchten über uns
und sei uns gnädig
Gott erhebe sein Angesicht auf uns
und schenke uns Frieden. Amen.

 

Stille

Kerze auspusten

Predigt: Vanessa Bührmann                                                             

Die Fürbitten sind von Elisabeth Rabe-Winnen und Fritz Baltruweit, Michaeliskloster Hildesheim.                                              

Predigt und Gebete von Detlev Juranek leicht bearbeitet

Der Lesegottesdienst darf gerne verwendet und vervielfältigt werden. Bitte mit Nennung der Urheber*innen.