Gottesdienst am Sonntag Judica- räumlich getrennt und doch vereint

 Coburg, 29. März 2020 um 10 Uhr

Gottesdienst: am Sonntag Judica 

Liebe Gemeinde, liebe Nachbarn im Viertel,

Heute ist der vorletzte der Passionssonntage. An Judica wird es ernst mit der Passion Jesu. Die Texte des Sonntags nehmen schon das Leiden und Sterben Jesu am Kreuz in den Blick. Und sie fragen nach dem Sinn von Jesu Tod.

Nach dem Sinn fragen dieser Tage viele Menschen. Es kursieren die verschiedensten Theorien über den Sinn des Virus. Aber vielleicht auch: Welchen Sinn hat mein Leben, wenn ich aus meinen normalen Lebensbezügen herausgerissen bin? Oder wo ist Gott in all dem?   

Ich wünsche uns allen einen gesegneten Gottesdienst.

Gott behüte Sie und Ihre Lieben. Bleiben Sie gesund.

Herzliche Grüße,

Detlev Juranek

 

 

Kerze anzünden
Stille

 

Gebet

Gott,
ich bin hier (wir sind hier)
allein
und doch durch deinen Geist alle miteinander verbunden
So feiere ich, so feiern wir

räumlich getrennt und doch vereint
in deinem Namen Gottesdienst

Im Namen des Vaters und des Sohnes
und des Heiligen Geistes

 

Nach Psalm 27

Gott ist mein Licht, wenn es finster ist.

Wenn ich Angst habe,

ist der Ewige mein Schutz.

Vor wem sollte ich mich fürchten?

Vor den Menschen? Gott ist stärker.

Vor dem Alleinsein? Gott ist bei mir.

 

Verlass mich nicht, Gott,

zeige mir meinen Weg,

und begleite mich dabei.

Wenn du nur bei mir bist, habe ich Mut.

Wenn du mir hilfst, bin ich stark.

Du, Gott, bist mein Licht in der Finsternis

und mein Schutz in der Nacht.

Ich danke dir, dass du mir hilfst.

Stille

 

Predigt

 

Gnade sei mit euch,

und Friede von Gott, unserm Vater

und unserm Herrn Jesus Christus.

 

Seit einer Woche müssen wir drin bleiben.

Das ist richtig so.

Es hilft uns selbst. Und es schützt andere.

Aber es ist auch schwer.

 

Aber wenn ich ehrlich bin:

Ich bleibe im Moment sowieso lieber drin:

Im Haus, im eigenen Garten.

 

Ich halte mich von Menschen fern.

Wir kaufen so wenig wie möglich ein.

 

Und ich mache meine Arbeit vom Schreibtisch aus,

am Computer und am Telefon.

Das geht auch.

 

Wir bleiben drin.

 

Und das bringt uns raus.

Wir sind raus aus diesem völlig Selbstverständlichen.

Raus aus dem Alltag.

Aus dem Gewohnten.

 

Manches Gewohnte ist uns lästig.

Da meckern wir gern drüber.

 

Aber manches Gewohnte ist uns auch lieb und teuer.

Das fehlt uns.

 

Ich zum Beispiel besuche gerne Leute

aus unserer Gemeinde.

Ich genieße das Kirchenkaffee nach dem Gottesdienst,

den Austausch, die Verbundenheit.

Oder auch die kleinen Gespräche am Rand,

zwischen Tür und Angel.

Geht gerade nicht.

 

Ich schüttle Menschen gerne herzlich die Hand.

Oft umarme ich Menschen auch.

Und auf der Straße halte ich gern ein Schwätzchen.

Von den Gottesdiensten,

die ich sonst jeden Sonntag mit Ihnen und euch feiere, ganz abgesehen.

Die fehlen mir.

Sehr.

Vor allem die schönen alten Lieder,

die Kraft und das Vertrauen, das in ihnen steckt.

 

Ich bleib’ drin.

Drum bin ich raus.

 

Aus dem Hebräerbrief    

Jesus hat gelitten draußen vor dem Tor,

auf dass er das Volk heilige durch sein eigenes Blut.

So lasst uns nun zu ihm hinausgehen aus dem Lager

und seine Schmach tragen.

Denn wir haben hier keine bleibende Stadt,

sondern die zukünftige suchen wir.

 

Jesus hat gelitten draußen vor dem Tor.

 

Damals. Auf Golgatha.

Draußen vor der Stadt.

 

Es ist Passionszeit.

Wir denken an Jesu Leid.

 

Man kaum beschreiben, wie schrecklich das war.

Damals.

Aber es war nicht nur damals.

 

Es hört nicht auf.

Jesu Leiden ist kein historischer Fakt,

den man zur Kenntnis nehmen kann.

 

Jesu Leiden geschieht heute. Jetzt.

 

Jesus leidet mit.

 

Er liegt im Krankenhaus

bei denen, die keine Luft kriegen.

Er steht neben den Pflegekräften,

wenn sie nicht ein- noch aus wissen.

 

Er sitzt mit an der Supermarktkasse,

wo sich die Verkäuferinnen und Verkäufer

beschimpfen lassen müssen –

und sich Sorgen machen, ob sie sich anstecken.

 

Er rechnet mit den Gewerbetreibenden

ob sie den kleinen Betrieb noch erhalten können.

 

Er setzt sich an die Seite der italienischen Soldaten,

die die Toten aus den Krankenhäusern abtransportieren müssen

 

Und er leidet auch mit denen,

die wir jetzt fast vergessen:

Mit all den Menschen auf der Flucht,

in Lagern, wo es unbeschreiblich grauenvoll ist –

und wo jetzt die Bedrohung

durch das Virus noch dazu kommt.

 

Jesus hat gelitten draußen vor dem Tor.

 

Damals am Kreuz.

Und heute leidet er mittendrin.

In unserer Welt

und unsrer wirren Zeit.

 

So lasst uns nun hinausgehen aus dem Lager

und seine Schmach tragen.

 

Lasst uns mitleiden. 

Lasst uns rausgehen

Wenn nicht körperlich,

so doch mit unseren Gedanken,

mit unsrem Mit-Tragen in Fürbitte und Gebet.

 

Wenn wir das Leid anderer tragen,

tragen wir Jesu Leid mit.

Und er trägt unseres.

 

Das ist so etwas Gegenseitiges.

 

Jesus leidet für die Menschen.

Und wenn wir mit leiden,

sanft, einfühlsam – und doch ganz entschieden –

wenn wir für die anderen da sind:

Dann tun wir sein Werk.

 

Denn wir haben hier keine bleibende Stadt,

sondern die zukünftige suchen wir.

 

Raus gehen oder drinbleiben müssen

und gerade so raus aus allem sein:

 

Eins merken wir gerade jetzt:

Nichts bleibt.

 

Wer hätte gedacht,

wie es jetzt in unserem Land aussieht?

Und in der Welt?

Vor vierzehn Tagen haben wir das alle noch

für völlig undenkbar gehalten.

Wenn ich Ihnen und Euch das vorhergesagt hätte,

Ihr hättet mich für verrückt erklärt.

Jetzt ist es so, wie es ist.

 

Denn wir haben hier keine bleibende Stadt,

sondern die zukünftige suchen wir.

 

Ob drinnen oder draußen:

Bleib bei Jesus.

Ich will das versuchen.

 

Jesus bleibt ja.

Er ist drinnen und draußen.

Ist raus gegangen, um zu leiden,

und er kommt mitten rein in unsre Welt.

 

Und das um all seiner Menschenbrüder und –schwestern willen.

 

Da folge ich ihm.

So gut ich kann. Amen.

 

Der Friede Gottes,

der höher ist als alle Vernunft,

bewahre eure Herzen und Sinne

in Christus Jesus.

 

Fürbitt-Gebet

Grenzenlos ist deine Liebe, Gott.
Bedrückend die Angst.
Gott – Quelle der Liebe.
Kraft und Hoffnung in der Angst.
Du bist da.

Deine grenzenlose Liebe, Gott,
für die Infizierten,
die Kranken,
die Sterbenden.


   Wir denken an die, die uns nahestehen.
   Stille

Quelle der Liebe.
Kraft und Hoffnung in der Angst.
Du bist da.

   Wir denken an die Betroffenen in Deutschland, in  

   Italien, in Spanien, in China und den USA
   in aller Welt.
   Stille

Quelle der Liebe.
Kraft und Hoffnung in der Angst.
Du bist da.

 

Deine grenzenlose Liebe, Gott,
für die, die kein schützendes Obdach haben,
für die, die zwischen den Grenzzäunen gefangen sind,
für die, die zwischen Trümmern ausharren.


   Wir denken an die Obdachlosen in unseren Städten.
   Wir denken an die Flüchtlinge auf Lesbos,
   an die in Transiträumen Gestrandeten,
   an die Menschen in Syrien.
   Stille

Quelle der Liebe.
Kraft und Hoffnung in der Angst.
Du bist da.

 

Deine grenzenlose Liebe, Gott
für alle, die pflegen,
für alle, die sich in Gefahr begeben,
für alle, die forschen und sich nicht schonen.
 

   Wir denken an alle,

   die in den Krankenhäuern für die Kranken da sind.
   Wir denken an alle,         

   die uns mit Lebensmitteln und allem, was wir brauchen,
   versorgen.

   Wir denken an die politisch Verantwortlichen.
   Wir denken an die Wissenschaftlerinnen und Forscher    

    in den Laboren.
   Stille

Quelle der Liebe.
Kraft und Hoffnung in der Angst.
Du bist da.

Deine grenzenlos Liebe, Gott -
wir brauchen sie,
alle, die eingeschlossen sind und in Quarantäne ausharren brauchen sie,
die von häuslicher Gewalt Bedrohten brauchen sie.
die Alleingelassenen brauchen sie,
die Verzweifelten brauchen sie.

Deine grenzenlose Liebe, Gott –
sie hält uns,
sie trägt uns.
Quelle der Liebe.
Kraft und Hoffnung in der Angst.
Du bist da.
Bleib bei uns und deiner Gemeinde –
heute und jeden neuen Tag.

Vaterunser

Vater unser im Himmel
Geheiligt werde dein Name.
Dein Reich komme.
Dein Wille geschehe,
wie im Himmel, so auf Erden.
Unser tägliches Brot gib uns heute.
Und vergib uns unsere Schuld,
wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.
Und führe uns nicht in Versuchung,
sondern erlöse uns von dem Bösen.
Denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit.  Amen.

 

Ein Segen aus Italien

 

Sie sagen,

wir müssen uns gegenseitig segnen.

Darum segne ich dich

im Namen des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes.
Ich segne Dich,

dein Herz, Dein Leben, Deine Gesundheit,

Dein Zuhause, Deine Familie,

Deine Arbeit, Deine Finanzen,

Deine Pläne, Träume, Zukunft und Frieden.

Im Namen Jesu. Amen

 

Stille

Kerze auspusten