Gottesdienst am Palmsonntag - räumlich getrennt und doch vereint

Coburg, 4. April 2020

Gottesdienst am Palmsonntag

zu Hause und mit allen –

durch den Geist verbunden

 

Liebe Gemeinde, liebe Nachbarn im Viertel,

In der Karwoche, die mit dem Palmsonntag heute beginnt, liegen Liebe, Macht und Tod ganz nah beieinander.

Im Evangelium lesen wir von einer Frau, deren Namen wir nicht kennen. Aber sie und die Liebe, die sie Jesus kurz vor seinem Leiden und Sterben erweist, werden für immer mit Jesus verbunden bleiben  

Ich wünsche uns allen einen gesegneten Gottesdienst.

Gott behüte Sie und Ihre Lieben. Bleiben Sie gesund.

Herzliche Grüße,

Detlev Juranek

 

 

Kerze anzünden
Stille

Votum

Gott,
ich bin hier (wir sind hier)
allein
und doch durch deinen Geist alle miteinander verbunden
So feiere ich, so feiern wir

räumlich getrennt und doch vereint
in deinem Namen Gottesdienst

Im Namen des Vaters und des Sohnes
und des Heiligen Geistes

 

 

Gebet

Barmherziger Gott,

Dein Sohn Jesus Christus will mit seiner Liebe

in unsere Herzen einziehen.

Wir bitten dich,

schenke uns ein offenes Herz,

dass wir seine Liebe erkennen,

seine Nähe erfahren

und ihm nachfolgen auf dem Weg der Liebe,

der zum Leben führt.

Dies bitten wir im Namen deines Sohnes Jesus Christus,

der mit dir und dem Heiligen Geist lebt und wirkt

von Ewigkeit zu Ewigkeit.

 

Stille

 

Predigt Markus 14, 1-9

 

Es fängt an. Palmsonntag.

Heute zieht Jesus in Jerusalem ein.

Hosianna dem Sohne Davids!

Königsweg. Triumphzug.

Gelobt sei, der da kommt im Namen des Herrn,

der König von Israel!

Palmzweige rauschen durch die Luft.

Kleider liegen auf dem Weg, wie der rote Teppich.

So kommt Jesus in die Heilige Stadt.

 

Am Donnerstag wird er Abendmahl feiern mit den Seinen.

Nehmt und esst. Trinkt alle daraus.

Tut das zu meinem Gedächtnis.

 

Donnerstagnacht: Ein Gebet.

Doch nicht, was ich will, sondern was du willst.

Judas wird kommen und ihn verraten.

Soldaten verhaften Jesus.
Nächtlicher Prozess vor dem Hohepriester.

Ihr habt gehört die Gotteslästerung! –

Er ist des Todes schuldig.


Am nächsten Morgen steht Jesus vor Pilatus.

Kreuzige ihn!

Geißelhiebe, Spottgesänge.

 

Das Kreuz liegt schwer auf seinen Schultern.

Dann Hammerschläge.

Mich dürstet“.

Mein Gott, warum hast Du mich verlassen?

 

Am Freitagnachmittag ist Jesus dann tot.

Und neigte das Haupt und verschied.

 

Palmsonntag.

Heute fängt es an.

Diese Geschichte von Sonntag bis Freitag.

Die riesengroße Geschichte von Liebe, Macht und Tod.

 

Palmsonntag. Gründonnerstag. Karfreitag.

Da wird die Geschichte erzählt. Da geschieht sie.

Von Montag und Dienstag wissen wir nichts.

 

Aber Mittwoch.

 

Es waren noch zwei Tage bis zum Passafest

und den Tagen der ungesäuerten Brote.

Und die Hohepriester und Schriftgelehrten suchten,

wie sie Jesus mit List ergreifen und töten könnten.

Denn sie sprachen:

Ja nicht bei dem Fest,

damit es nicht einen Aufruhr im Volk gebe.

 

Am Mittwoch steht fest:

Jesus muss sterben.

Ein Gremium sitzt beisammen.

Graue Herren in Prunkgewändern.

Die Macht hat sich versammelt.

Die Macht will den Tod.

Jesu Tod.

 

Und da trifft es sich gut,

dass es abends leise an der Tür klopft.

Judas schleicht herein. Heimlich.

Ich will ihn euch verraten.

 

Da werden sie froh.

Versprechen ihm Geld.

Und der Tod nimmt seinen Lauf.

 

Am Mittwoch war aber auch noch etwas anderes.

 

Am Mittwoch kommt die Liebe.

 

Und als Jesus in Bethanien war

im Hause Simons des Aussätzigen und saß zu Tisch,

da kam eine Frau, die hatte ein Alabastergefäß

mit unverfälschtem, kostbarem Nardenöl,

und sie zerbrach das Gefäß und goss das Öl auf sein Haupt.

 

Die Liebe kommt leise zur Tür herein. Ohne ein Wort.

Eine Frau in schlichtem Gewand.

Sie hat noch nicht mal einen Namen.

Sie hat nichts weiter.

Nur sich selbst.

Und dieses kleine Gefäß.

Das ist der Liebe genug.

 

Weiß und zart ist das Fläschchen.

Aus Alabaster.

Das hat sie mitgebracht.

Und vorher gekauft.

Für ungefähr zwanzigtausend Euro nach heutigem Geld.

Völlig verrückt eigentlich.

Und genau richtig.

 

Sie geht zu Jesus.

Sie bricht das Fläschchen entzwei.

Das Öl fließt Jesus in die Haare.

Unbeschreiblicher Duft.

Sie massiert es ein.

Jetzt nimmt die Liebe ihren Lauf.

 

 „Da wurden einige unwillig und sprachen untereinander:

Was soll diese Vergeudung des Salböls?

Man hätte dieses Öl

für mehr als dreihundert Silbergroschen verkaufen können

und das Geld den Armen geben.

Und sie fuhren sie an.

 

Bis eben hatten sie nur zugeschaut.

Die Männerrunde:

Petrus, Jakobus, Johannes, Bartholomäus

und wie sie alle heißen – und, ja, auch Judas.

Sie sehen, was da geschieht.

Fassungslos. Es fehlen ihnen die Worte.

Es war still.

Mucksmäuschenstill.

Totenstill. Liebesstill.

 

Dann toben sie los.

„So was Unvernünftiges! Völlig verrückt!
Vergeudung! Alles verschwendet!“

 

Sie toben los,

wie die Wütenden zu allen Zeiten los toben.

Auch heute und jetzt.

„Denkt doch mal an die Rentner in unserm Land,

die müssen Flaschen sammeln!

Und da schmeißt eine zwanzigtausend Euro

zum Fenster heraus …

was man damit alles Gutes tun könnte

für die eigenen Leute …“

 

Oder: „Wir haben genug zu tun in unserem Land.

Und Ihr holt noch Flüchtlinge rein.“

 

Und diese Woche hat einer sich beim Facebook empört:

„Wieso holen die Patienten aus dem Elsass rein?

Was gehen die uns an?

Wir brauchen unsere Krankenhäuser selbst!“

 

Petrus, Jakobus, Johannes – die ganze Runde –

und die Wutbürger heute:

Sie „wissen ja, wie es geht“.

Sie wollen eine Welt nach ihrem Bilde.

 

Und sie murren und raunen, sie tuscheln

und am Ende werden sie grob und laut.

Sie wollen die Macht über die Liebe.

Und sie wollen sie am liebsten verjagen aus der Welt.

 

Und sie fuhren sie an.

 

 „Jesus aber sprach:

Lasst sie! Was bekümmert ihr sie?

Sie hat ein gutes Werk an mir getan.

Denn ihr habt allezeit Arme bei euch,

und wenn ihr wollt, könnt ihr ihnen Gutes tun;

mich aber habt ihr nicht allezeit.

Sie hat getan, was sie konnte;

sie hat meinen Leib im Voraus gesalbt

zu meinem Begräbnis.

 

Ein Machtwort.

Ein Liebeswort.

Beides auf einmal.

Jesu Wort.

 

Lasst sie!

 

Hört auf mit euren Machtspielereien.

Lasst der Liebe ihren Lauf!

Lasst die Liebe, Liebe sein!

 

Jesu Stimme klingt hart dabei.

Er meint das wirklich so.

Das ist jetzt ernst.

Todernst. Und liebesernst.

 

Die anderen schweigen.

Sie schauen zu Boden.

Ein bisschen beschämt.

Und wohl wenig überzeugt.

So schnell ändern sich Stimmungen und Meinungen nicht,

wenn sie einmal festsitzen.

 

Jesus aber bleibt dabei:

Sie hat getan, was sie konnte.

Liebe tut, was sie kann. Jetzt. Hier.

 

Die Liebe kommt am Mittwoch in unsere Geschichte.

 

Mit dieser Frau und ihrem Fläschchen voll Öl.

Mit Jesu Worten:

Lasst sie! Sie tut, was sie kann.

 

Nun hat die Macht eine ebenso mächtige Gegenspielerin.

Die Macht der Liebe

Die wird tun, was sie kann.

Sie hört nicht auf damit, und sie tut es heute noch:
Sie ist anders.
Sie ist nicht grob und laut,

sie pöbelt nicht auf der Straße,

sie hetzt die Menschen nicht gegeneinander auf,

spaltet nicht,

ist nicht mutwillig, sucht nicht das Ihre,

bläht sich nicht auf“.

 

Die Macht der Liebe tut, was sie kann.

 

Sie tut es an den geringsten Geschwistern.

Stellt sich gegen böse Mächte, wo es nötig ist.

Macht aus der Machtwelt eine Liebeswelt.

Soviel sie kann.

 

Und Jesus sagt: „Lasst sie!

 

Macht brauchst du nur, wenn du etwas Böses vorhast.

Für alles andere reicht Liebe, um es zu erledigen.“

 

Das soll Charlie Chaplin gesagt haben.

Er hat unsere Geschichte ganz bestimmt gekannt.

 

 „Wahrlich, ich sage euch:

Wo das Evangelium gepredigt wird in der ganzen Welt,

da wird man auch das sagen zu ihrem Gedächtnis,

was sie getan hat.

 

Die Mächtigen von damals: Nicht mehr so wichtig.

Die Hohepriester Hannas und Kaiphas:

Historische Personen aus der Bibel.

Pontius Pilatus: Ein Name im Glaubensbekenntnis.

 

Die Frau aber, –

die Frau,

die die Liebe in unsere Geschichte gebracht hat:

Sie ist unvergessen.

Obwohl sie noch nicht mal einen Namen hat.

Vielleicht ist ja das einfach ihr Name: Liebe?

 

Wo das Evangelium gepredigt wird in der ganzen Welt,

da wird man auch das sagen zu ihrem Gedächtnis,

was sie getan hat.

 

Genauso machen wir das heute.

Wir vergessen sie nicht.

Wir predigen das Evangelium.

Dieses Evangelium.

Von dieser Frau und ihrer mächtigen Liebe.

 

Evangelium – es ist, wo die Liebe ihren Lauf nimmt.

 

Palmsonntag.

Es hat angefangen.

Königsweg. Liebesweg.

 

Am Mittwoch kommt die Liebe

in diese riesengroße Geschichte.

Jesus nimmt sie mit.

Das Öl hat bis zu seinem Tod in seinen Haaren geduftet.

Die Liebe nimmt ihren Lauf –

von heute bis Mittwoch und bis zum Freitag.

Bis zum Tod, ja zum Tod am Kreuz.

Und vom Freitag dann weiter.

In einer Woche ist Ostersonntag. Denkt daran!

Da geht es weiter mit der Liebe. Für immer. Für uns.

 

Denn also hat Gott die Welt geliebt,

dass er seinen eingeborenen Sohn gab,

auf dass alle, die an ihn glauben, nicht verloren werden,

sondern das ewige Leben haben.“ Amen.

 

Fürbitt-Gebet

 

Barmherziger Gott,
Hab Dank für all die Menschen,

die für uns alle arbeiten:

Ärztinnen und Pfleger,

all die anderen Beschäftigten in Krankenhäusern und Pflegeheimen,

die engagierten in Feuerwehr, Rettungsdienst und THW, Polizisten, Angestellte in der Verwaltung und bei der Müllabfuhr

und nicht zuletzt die Frauen und Männer in den Banken, an den Tankstellen und im Einzelhandel.

Danke, dass sie und andere für uns da sind.

Behüte sie vor Ansteckung und erhalte sie gesund.

Und hilf uns,

dass wir die Anerkennung,

die diese Berufe derzeit erfahren, nicht vergessen, sondern uns für gerechte Bezahlung und verbesserte Arbeitsbedingungen einsetzen.

 

Barmherziger Gott,
Ich bete für die Kinder und Jugendlichen,

denen das Getrennt-Sein von ihren Freunden

und von den Großeltern schwer fällt;

auch dass sie nicht in den Kindergarten, die Schule oder auf Spielplätze dürfen.

 

Schenke ihnen Geduld und Phantasie,

andere Wege zu finden, zu lernen, zu spielen und miteinander verbunden zu bleiben.

Erhalte ihnen Freude und Lebensglück jeden Tag.

Ich bete für alle,

die getrennt von Ihren Lieben sind.

Lindere Einsamkeit, Sehnsucht und Trauer.

Stell ihnen Menschen zur Seite,

die auffangen, trösten und Mut machen.

 

Barmherziger Gott

ich bete

für alle, die von Kurzarbeit betroffen sind,

alle die ihren Arbeitsplatz verloren haben

und alle, die als Selbständige um ihre Existenz fürchten.

 

Gib doch,

dass die Hilfen der Regierung dort ankommen,

wo sie gebraucht werden und Gutes bewirken.

 

Schenke uns,

dass wir in dieser Krise als Gesellschaft wachsen

in der Solidarität, im Teilen und Füreinander einstehen.

Gib, dass wir nicht nur in unserer eigenen Angst und Sorgen gefangen sind,

sondern auch die Not der anderen sehen,

- hier bei uns und weltweit.

 

Barmherziger Gott
Stelle deine Engel vor uns,

wenn die Angst nach unserer Seele greift

und Sorgen vor der Zukunft uns überfallen.

Schenke uns Kraft , Mut, Besonnenheit und Zuversicht, uns dem zu stellen, was auf uns zukommt.

Umhülle uns mit deiner Liebe wie mit einem wärmenden Mantel. Amen

 

Vaterunser

Vater unser im Himmel
Geheiligt werde dein Name.
Dein Reich komme.
Dein Wille geschehe,
wie im Himmel, so auf Erden.
Unser tägliches Brot gib uns heute.
Und vergib uns unsere Schuld,
wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.
Und führe uns nicht in Versuchung,
sondern erlöse uns von dem Bösen.
Denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit.  Amen.

 

Ein Segen aus Italien

 

Sie sagen,

wir müssen uns gegenseitig segnen.

Darum segne ich dich

im Namen des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes.
Ich segne Dich,

dein Herz, Dein Leben, Deine Gesundheit,

Dein Zuhause, Deine Familie,

Deine Arbeit, Deine Finanzen,

Deine Pläne, Träume, Zukunft und Frieden.

Im Namen Jesu. Amen

 

Stille

Kerze auspusten