Gottesdienst am 7. Sonntag nach Trinitatis

7. Sonntag nach Trinitatis 2018 (Hebr 13, 1-3)

Musik

Votum

P: Wir feiern diesen Gottesdienst im Namen Gottes, des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes.

G: Amen.

P: Der Herr sei mit Euch

G: und mit deinem Geist

 

Freie Begrüßung

 

Liebe Gemeinde,

ich begrüße Sie zu diesem Gottesdienst am 7. Sonntag nach Trinitatis. Thema dieses Sonntags ist das Zusammenleben der Gemeinde Jesu Christi.

Wochenspruch Epheser 2,19

 

So seid ihr nun nicht mehr Gäste und Fremdlinge,

sondern Mitbürger der Heiligen und Gottes Hausgenossen.

 

Eingangslied EG 502, 1+2+4 Nun preiset alle Gottes Barmherzigkeit

 

Hinführung zum Confiteor - Gebet

 

Barmherziger Gott,

als deine Gemeinde kommen wir unter deinem Wort zusammen.

Wir bringen alles mit,

was gelungen ist und was uns missraten ist

im Umgang mit dir, mit unseren Mitmenschen und mit deiner Schöpfung.

 

Wir spüren,

wie oft wir versagt haben, wenn uns andere gebraucht hätten.

Wir werden ungerecht,

weil wir mit uns selbst nicht zufrieden sind und lassen diese Unzufriedenheit an anderen aus.

Darum wollen wir jetzt still werden

und loslassen, was wir festhalten und was uns festhält.

Stille

Vor Gott bringen wir unsere Wünsche und Hoffnungen,                                                                   unsere Sorgen und Ängste                                                  unser Versagen und unsere Schuld                                    und bitten: Gott, sei mir Sünder gnädig.

G      Der allmächtige Gott erbarme sich unser,

er vergebe uns unsere Sünde

und führe uns zum ewigen Leben. Amen.

Kyrie EG 178.11 Herr, erbarme dich

 

Zuspruch

 

Gott hat sich unser erbarmt.

Er befreit uns aus unseren engen Grenzen,

auf dass wir anderen unsere Liebe Zeit und Kraft in Freiheit schenken können.

Wer auf Gott vertraut und getauft ist,

der wird selig werden.

Das verleihe Gott uns allen

 

Ehre sei Gott in der Höhe

und Frieden allen Menschen, die guten Willens sind.

 

Glorialied EG 289, 1+5 Nun lob mein See, den Herren

 

Kollektengebet

 

Lasst uns beten

 

Jesus Christus,

du hast uns in deinen Dienst gerufen.

Dafür danken wir dir und bitten dich:

Gib, dass wir auf dich hören,

deinem Wort alles zutrauen,

dir und unseren Mitmenschen in Liebe begegnen,

und demütig den Weg gehen, den du uns führst.

Du bist es der für uns eintritt,

der du lebst und regierst mit dem Vater

in der Einheit des Heiligen Geistes

in Ewigkeit. Amen.

 

Lesung

 

Glaubensbekenntnis

 

Lied EG 320, 1+6-8 Nun lasst und Gott, den Herren

 

Predigt

 

Herbst 2015 irgendwo in Franken bei Bamberg.

Die 68-Jährige Gabriele Stärz aus Karlsruhe und ihr Lebensgefährte Hans haben eine anstrengende Wandertour hinter sich.

"Mir hängt der Magen in den Kniekehlen,

wir müssen unbedingt ein Gasthaus finden“.

Sie entdecken das Schild "Brauerei - Gasthof Hennemann“.

Merkwürdig, der zugemauerte Eingang.                                Aber da schaut ein Mann aus dem Fenster                        und zeigt mit einer Handbewegung,                                        dass es hinten reingeht.                                              Also gehen sie über den Hof ins Haus.

In diesem Haus lebt Kawa Suliman seit gut einem Jahr.                                                                                       Der 30-Jährige stammt aus Qamishli,                                      einer Stadt im Norden Syriens.                                                                         2014 ist der junge Anwalt nach Deutschland geflohen. Er war einer der ersten,                                                                die in den ehemaligen Gasthof eingezogen sind,                 als dieser zum Heim für Asylsuchende wurde.                   Von den jetzigen Bewohnern kann er am besten Deutsch.

„Ich verstehe sie nicht.                                                                        Ich weiß nicht, was sie wollen,“                                             sagt er zu seinen Mitbewohnern.                                                                   „Aber eins weiß ich:                                                                     Die haben Hunger und müde sehen sie auch aus.“

Kawa Suliman heißt die beiden Gäste willkommen            und führt sie an einen Tisch.                                        Gabriele fällt auf,                                                                   dass Tische und Stühle im Gastraum nicht zusammenpassen.                                                                        "Die fangen wohl neu an“, denkt sie.                                        „Da muss man Verständnis haben,                                                                     wenn's nicht so schnieke ist.                                                     Und außerdem ist der junge Gastwirt wirklich nett.

Suliman holt seine Freunde in die Küche.                Mohammed Ali holt die Apfelmarmelade,                                die er zwei Tage zuvor gekocht hat,                                           die anderen bringen Eier, Tomaten, Käse und Joghurt. Kawa Suliman richtet eine Platte an                               und serviert alles mit Fladenbrot. 

„Toll hat das geschmeckt", sagt Gabriele.                                   Sie hatte einen grünen Tee bestellt,                                               ihr Hans trinkt Milch.

Den Karlsruhern gefällt das sympathische syrische Restaurant in Franken.                                                                   „Jetzt würden wir gerne zahlen!“

Kawa schaut sie verständnislos an.                                        „Aber ihr seid doch unsere Gäste,                                                wir leben hier“.

Er holt die anderen aus der Küche,                                       Mohammed und die anderen.                                        Willkommen in Deutschland, rufen sie.                                     Und da erkennen Gabriele und Hans,                                  wo sie gelandet sind.                                                                  In einem Asylbewerberheim!

Im Hebräerbrief heißt es

Bleibt fest in der geschwisterlichen Liebe.

Gastfrei zu sein vergesst nicht;

denn dadurch haben einige ohne ihr Wissen Engel beherbergt.

Denkt an die Gefangenen, als wärt ihr Mitgefangene,

und an die Misshandelten,                                                    weil auch ihr noch im Leibe lebt.

 

Abraham ist der perfekte Gastgeber.                             Als drei Männer vor seinem Zelt stehen,                             lässt er alles stehen und liegen,                                           sorgt dafür,                                                                                dass sie sich waschen können                                                und sich im Schatten niederlassen.

Er tischt ihnen auf, was er hat:                                              Brot, Butter, Milch, Kalbfleisch.

Und sie kommen ins Gespräch.                                            Über die Zukunft und die Herkunft,                                   über Träume und Pläne.                                                                  

Und die Gäste verkünden,                                                    dass die hochbetagte Sara einen Sohn bekommen wird.

Als die das hört, bekommt sie einen Lachanfall. Peinlich, dass die Gäste das mitbekommen.                        Denn es ist unhöflich, über Gäste zu lachen.                       Und erst recht über Engel.                                                       Sara versucht sich rauszureden,                                            aber es gelingt ihr nicht wirklich.                                               Schließlich ziehen die Gäste weiter.

Gäste, die was zu sagen hatten.                                                Die sie überrascht und eine andere Welt mitgebracht haben.                                                                            Gäste, die sich wohlgefühlt haben                                       und die eigentümlich vertraut waren,                                                obwohl sie so fremd waren.

Und obwohl Abraham und Sarah erkannt haben,                                  wer sie waren,                                                           hat dieser Besuch ihre Welt gehörig auf den Kopf gestellt.                                                                              Ein Kind im hohen Alter.                                                             Das hatten sie doch schon lange abgehakt.                              Und jetzt?                                                                            Lachen und Weinen zugleich.                                                       Die Zukunft bekommt eine neue Farbe.                               Engel als Gäste -                                                                    Gäste als Engel                                                                      „ Vergesst (…) die Gastfreundschaft nicht….“

Viele von uns Deutschen tun sich nicht so leicht mit der Gastfreundschaft.                                                   Spätestens im Ausland merken wir den Unterschied. Als ich in den USA studiert habe,                              war ich immer wieder verblüfft von der enormen Gastfreundschaft der Amerikaner:                                    Ich war einige Tage vor Semesterbeginn zum ersten Mal in der Bibliothek der Uni.                                       Ein Mitstudent spricht mich auf Deutsch an,                    er war in Tübingen Austauschschüler.                            Wir plaudern eine Weile.                                              Kaum zurück im Zimmer, ruft er mich an.                                  Ob ich nicht über Labour day mit ihm und seiner Frau zu seinen Eltern fahren wolle.            

Oder auch auf der Reise nach Chimala in unser Partnergemeinde:                                                        es war herzerfrischend mit welcher Freude wir überall begrüßt wurden.                                                            Und es hat mich fast schon beschämt, wie reichlich uns aufgetischt wurde.

Umgekehrt fällt es uns jedes Mal sehr schwer,             Gäste aus Tansania mit der gleichen Herzlichkeit zu begegnen.                                                                    Die Gottesdienste sind bei Weitem nicht so gut besucht,                                                                              das Interesse an den Gästen beim anschließenden Essen ist oft überschaubar

Oder wenn neue Menschen in unsere Gottesdienste kommen.                                                                   Gehen wir auf Sie zu und begrüßen sie herzlich? Fragen wir nach ihrem Namen?                                     Laden wir sie ein zum Kirchenkaffee (wenn es den wieder gibt)?                                                            Oder sind wir uns selbst genug?

Warum tun sich viele von uns so schwer                              - auch und gerade in unseren Gemeinden?                                 Haben wir verlernt, uns in den Fremden, die Fremde hineinzufühlen?                                                                     Oder ist es nur eine Sache der Mentalität?                      Wollen wir alles immer zu perfekt machen?                            Oder wollen niemand Fremdes reinschauen lassen in unser Privates?

Warum auch immer:                                                                  Ich wünsche mir,                                                                   dass unsere Gemeinde noch gastfreundlicher wird „Vergesst die Gastfreundschaft nicht“                                - warum eigentlich?

Weil ein Engel vor der Tür steht.                                                  Ein Bote oder eine Botin von Gott.                                                   Ein himmlischer Gast,                                                                dem man seine himmlische Herkunft nicht ansieht.

Er besucht den wandernden Abraham mitten im Tag und isst mit ihm.

Er stärkt Elia,                                                                                   als dieser nicht mehr weiter kann und nur noch sterben will.

Ein Engel kommt mitten in der Nacht zur jungen Maria und sagt ihr,                                                                                 dass sie ein Kind bekommt                                                              und dieses Kind ist nicht irgendwer.                                   Und sie weiß nicht wie ihr geschieht,                                   aber sie spürt,                                                                            dass die Welt nicht mehr dieselbe ist.

Ein Engel besucht die Hirten mitten in der Nacht          und bringt sie dazu,                                                                ein Neugeborenes im Stall zu besuchen                                    und daraus ihre ganze Hoffnung zu schöpfen.

Ein Engel tröstet den verzweifelten und müden Jesus im Garten Gethsemane                                                               und es sind Engel,                                                                          die die trauernden Frauen am Grab von Jesus wieder ins Leben schicken.

Und nun klopft jemand bei mir an,                                             ich lasse ihn ein,                                                                     decke den Tisch,                                                                        biete etwas zu trinken an.                                                                Ein Glas Wein, ein Bier, ein Wasser, einen Kaffee?

Mein Gast soll sich wohl fühlen,                                     willkommen sein.                                                                                    Zuhause sein.

Ich nehme mir Zeit,                                                                          ich höre ihm zu,                                                                         ich bin neugierig, was er zu erzählen hat.                            

Meine Welt wird weiter,                                                          wenn ich einen Gast habe.                                                                            Meistens.                                                                                           Ob meine Küche aufgeräumt ist oder der Zeitungsstapel noch das Sofa bedeckt,                                    ist völlig egal.                                                                                

Macht Platz für Gottes Engel!                                                             Nicht nur zuhause,                                                               sondern auch hier, in der Gemeinde.                                    Gerade hier.                                                                    Schaut genau hin.                                       

Wenn Neugierige oder Suchende den Weg in unser Gemeindezentrum finden,                                                        werden sie sich dann wohl fühlen?                                                              Willkommen sein?                    

Ist die Tür überhaupt offen?                                                    Wie leicht machen wir es ihnen, sich zurecht zu finden?                                                                                    Und kommen wir sogar miteinander ins Gespräch?

Es könnten Engel sein,                                                                                                                                                    die uns was zu sagen haben                                                    und unsere Welt auf den Kopf stellen.

Sie haben Gott mit im Gepäck                                                       und sie haben was zu sagen.                                             Nicht alles ist gefällig.                                                 Aber sie verbinden dich mit dem Himmel.                         Und die Zukunft bekommt eine neue Farbe.

Waren Gabriele und Hans im fränkisch-syrischen Asylbewerberheim vielleicht Engel?                                                      Ich glaube, ja.                                                                               

Vielleicht nicht von Anfang an,                                             wer weiß das schon?

Aber sie wurden zu Boten Gottes.                                               Sie haben es weiter erzählt:                                                   von Kawa und Mohamed                                                            und wie selbstverständlich sie als Gäste behandelt worden sind.

Sie haben damals vor viereinhalb Jahren eine ganze Nation gerührt.                                                                                                                                                    BILD, RTL, FAZ und der Bayrische Rundfunk haben davon erzählt.

Es ist sogar ein Kurzfilm (b) daraus gedreht worden, der nun in Schulen und Kirchen gezeigt wird.

Die Geschichte geht weiter                                                                                                                                                                                                 und sie zeigt:

Geflüchtete Menschen bringen eine Kultur der Gastfreundschaft mit,                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                               die uns guttut.                                                                             Es sind Menschen, die für andere da sein wollen.                 Die was zurück geben wollen,                                                 wenn man sie nur lässt.                                                             Ihre Geschichte geht uns alle an.                                             Denn es könnte unsere Geschichte sein.

Ja, Gabriele und Hans wurden zu Engeln,                               weil sie ihre Geschichte nicht für sich behielten.                     Botin und Bote Gottes.                                                                 Botin und Bote einer Menschenfreundlichkeit,          die unserer Gesellschaft gut tut.

Machen wir unsere Kirchentüren auf.                                       Halten wir die Kirchen offen für Gäste,                                          die womöglich Engel sind.                                                             Sie sind im Namen Gottes unterwegs.                                    Sie haben uns was zu sagen.                                   Überraschend.                                                                      Das Herz weitend.                                                      Unsere Welt auf den Kopf stellend.

Vielleicht nehmen wir sie am Anfang nicht ernst,   so wie Sarah.                                                                               Oder wir wissen nicht,                                                             was sie eigentlich suchen,                                                               so wie es den Syrern in Franken ging.

Aber lasst uns gastfreundlich sein.                                      Heute.                                                                                  Morgen.                                                                         Die nächsten Tage.

Damit die Welt eine andere wird.                                Eine größere.                                                                        Eine weitere.                                                                   Eine Welt,                                                                     die Platz hat für Gottes Engel                                               und Raum für seine Freundlichkeit. Amen.

Der Friede Gottes, der höher ist als alle Vernunft,

bewahre Eure Herzen und Sinne in Christus Jesus.

Amen.

 

Lied EG 417, 1-2 Lass dir Wurzel unseres Handelns Liebe sein 

 

Abkündigungen

 

Verstorben ist: Frau Ilse Hennig, Christenweg 24 im Alter von 88 Jahren

Getraut Wurden Dominique und Steffen Amend, geborener Schmidt

 

Lied KAA 091, 1-3 Wenn das Brot, das wir teilen

 

Fürbitten

 

Lasst uns beten

 

Jesus Christus, du Brot des Lebens,
zu dir kommen wir.
Dich beten wir an.

Groß ist der Hunger nach Brot.
Eine Milliarde Menschen hungern.
Kinder sterben,
bevor sie diese Welt entdeckt haben.
Flüchtlinge sterben,
bevor sie in fruchtbares Land kommen.
Gerechte verzweifeln,
bevor sie die Welt verbessern können.
Du bist das Brot,
teile du selbst dich aus,
damit die Kinder leben,
damit die Flüchtlinge Heimat finden,
damit die Gerechten Gehör finden.

Groß ist der Hunger nach Frieden.
Der Krieg in Syrien endet nicht.
Seit Jahrzehnten ist Krieg in Afghanistan.
Am Persischen Golf droht neuer Krieg.
Du bist der Friede,
der die Welt verwandelt.
Schaffe dir Raum
in den Herzen der Mächtigen,
bei den Planungen der Strategen,
durch den Mut der Friedensstifter.

Groß ist der Hunger nach Einheit.
Nationen und Gesellschaften sind gespalten.
Hass findet den Weg in die Köpfe der Menschen.
Brückenbauer werden verspottet.
Du bist das Brot,
das aus vielen Körnern zusammengekommen ist.
Vereine die, die einander bekämpfen.
Führe die Streitenden zusammen.
Bestärke die, die den Zusammenhalt fördern.

So groß wie der Hunger
ist unsere Sehnsucht.
So groß wie der Hunger
ist unsere Hoffnung.
So groß wie der Hunger
ist unser Vertrauen zu dir.
Jesus Christus, du Brot des Lebens,
du Herr der Welt,
schau auf unsere Verstorbenen und alle Trauernden.
Stille ihre Sehnsucht nach Leben.
Schau auf uns und alle, die wir lieben.
Jesus Christus, du Brot des Lebens,
heute und alle Tage beten wir dich an.                          Erbarme dich. Amen.

Vaterunser

 

Sendung und Segen

 

Nachspiel