Gottesdienst am 5. Sonntag nach Trinitatis

5. Sonntag nach Trinitatis

Musik

Votum

P          Wir feiern diesen Gottesdienst im Namen Gottes, des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes.

G         Amen.

P          Der Herr sei mit Euch

G         und mit deinem Geist

Begrüßung

Liebe Gemeinde,

ich begrüße sie zum Gottesdienst am 5. Sonntag nach Trinitatis

Aus Gnade seid ihr gerettet durch Glauben, und das nicht aus euch: Gottes Gabe ist es. Epheser 2,8

Lied EG 452, 1+5 Er weckt mich alle Morgen  

Confiteor

Gottesdienst heißt:

Ganz nah bei Gott sein,

erkennen, wer er ist und wer wir sind,

sich von ihm die leeren Hände füllen lassen.

Darum wollen wir jetzt still werden und loslassen,

was wir festhalten und was uns festhält.

Lasst uns das in der Stille bedenken

-      Stille –

Dem barmherzigen Gott bringen wir unsere Wünsche, unsere Sorgen und unsere Schuld und bitten:                   Gott, sei mir Sünder gnädig.

Der allmächtige Gott erbarme sich unser,

er vergebe uns unsere Sünde

und führe uns zum ewigen Leben.

Kyrie EG 178.9 Kyrie

Gnadenzuspruch

Der allmächtige Gott hat sich unser erbarmt.

Durch Jesus Christus füllt er uns die Hände.

Er stärkt uns, er gibt uns neue Kraft

Und hilft unserer Schwachheit auf.

Wer darauf traut, der wird das Leben finden.

Das verleihe Gott uns allen.

Gloria

 

L:      Ehre sei Gott in der Höhe

G:     und Friede auf Erden, den Menschen ein Wohlgefallen

 

Glorialied EG 651 x 2 (lt. – dt.) Ubi caritas

Gebet

 

Gott, Ursprung des Lebens,

du rufst Menschen in deinen Dienst,

damit wir einander zum Leben stärken.

Hilf uns mit deinem Wort und mit deiner Kraft,

dass wir Jesus Christus nachfolgen.

Dir sei Ehre in Ewigkeit.

 

Lesung

Glaubensbekenntnis

Lied EG 341, 1+2 Wach auf, du Geist der ersten Zeugen

Predigt Lukas 5,1-11

Es begab sich aber,

als sich die Menge zu ihm drängte,

zu hören das Wort Gottes,

da stand Jesus am See Genezareth.

 

Und er sah zwei Boote am Ufer liegen;

die Fischer aber waren ausgestiegen

und wuschen ihre Netze.

 

Da stieg er in eines der Boote, das Simon gehörte,

und bat ihn,

ein wenig vom Land wegzufahren.

Und er setzte sich

und lehrte die Menge vom Boot aus.

 

Und als er aufgehört hatte zu reden,

sprach er zu Simon:

Fahre hinaus, wo es tief ist,

und werft eure Netze zum Fang aus!

 

Und Simon antwortete und sprach:

Meister, wir haben die ganze Nacht gearbeitet

und nichts gefangen;

aber auf dein Wort hin will ich die Netze auswerfen.

 

Und als sie das taten,

fingen sie eine große Menge Fische

und ihre Netze begannen zu reißen.

Und sie winkten ihren Gefährten,

die im andern Boot waren,

sie sollten kommen

und ihnen ziehen helfen.

Und sie kamen und füllten beide Boote voll,

sodass sie fast sanken.

Da Simon Petrus das sah,

fiel er Jesus zu Füßen und sprach:

Herr, geh weg von mir!

Ich bin ein sündiger Mensch.

 

Denn ein Schrecken hatte ihn erfasst

und alle, die mit ihm waren,

über diesen Fang,

den sie miteinander getan hatten,

ebenso auch Jakobus und Johannes,

die Söhne des Zebedäus, Simons Gefährten.

 

Und Jesus sprach zu Simon:

Fürchte dich nicht!

Von nun an wirst du Menschen fangen.

Und sie brachten die Boote ans Land

und verließen alles

und folgten ihm nach. (P)


„Den verdammten Nagel muss ich irgendwann mal auf der Wand ziehen!“,                                                               denkt sich Sven, als er die Kellertreppe runterläuft,                 um Getränke zu holen.

Der Nagel geht Sven seit seinem Einzug auf die Nerven.

Leicht verbogen steht das Ding fast 2 Zentimeter aus der Wand.

„Irgendwann bleib ich da mal hängen!“

 

Aber der Werkzeugkoffer mit der Zange liegt im Schuppen,

unter der Bohrmaschine und dem Schraubenkistchen.

 

Jetzt extra rüber laufen?

„Wenn ich das nächste Mal sowieso die Zange in der Hand habe,

ziehe ich den blöden Nagel auch gleich aus der Wand!“, denkt sich Sven.

 

Zwei Jahre später ist der Nagel immer noch in der Wand

– und jedes Mal, wenn Sven an ihm vorübergeht,

denkt er sich:

„Den blöden Nagel muss ich irgendwann mal auf der Wand ziehen“

 

Das nächste Jahr vergeht.

Sven hat sich einen neuen Trockner gekauft.

Ein Kumpel hilft ihm,

das Ding in den Keller zu tragen.

 

Auf der Kellertreppe kommen sie kurz ins Stolpern,

aber zum Glück:

Nichts passiert,

der Trockner kommt heil in den Keller.

Als sie sich verabschieden,

sieht Sven,

dass das T-Shirt seines Kumpels einen Riss hat.

 

„Nicht so schlimm,

ich bin auf der Treppe an einem Nagel hängen geblieben“

 

Sven schämt sich

und ärgert sich fürchterlich über sich selbst.

 

Er geht in den Schuppen,

holt die Zange und zieht den Nagel raus.

Es dauert alles in allem 4 Minuten.

 

Und Sven denkt sich:

„Warum habe ich Idiot das nicht gleich gemacht?“

 

Ja – warum hat Sven den Nagel nicht einfach gleich aus der Wand gezogen?

Ich bin mir sicher,

jedem von uns geht es immer wieder so wie Sven.

 

Dass wir Dinge länger und länger vor uns herschieben.

Das können so Sachen sein,

wie den Keller aufräumen,

zum Zahnarzt gehen,

oder ein lästiger Anruf oder die Steuererklärung.

 

Wenn man das erledigt hat,

geht es einem deutlich besser

– aber oft macht man es eben auch nicht,

denkt sich:

„Nächste Woche habe ich mehr Nerven dafür“,

„jetzt passt es gerade nicht“

oder das beliebte

„wenn ich mal Zeit habe, dann…“

– und dann schiebt man es Woche um Woche,

und das eigentlich kleine Problem wird größer und größer.

 

Und irgendwann kommt man sogar in das Stadium,

in dem man denkt:

„Jetzt habe ich es so lange nicht gemacht,

da kommt es jetzt auch auf ein paar Wochen nicht mehr an…“

 

Oft sind es kleine, harmlose Dinge, wie der verbogene Nagel.

Es können aber auch große, lebensverändernde Sachen sein:

„Ich weiß, ich trinke zu viel und treibe zu wenig Sport. Das muss ich dringend ändern“

„Mein Job macht mich krank,

 ich bin immer müde

und habe auf nichts mehr Lust.

Ich sollte endlich kündigen

und mir was Neues suchen“

 

„Ich halte es zuhause bald nicht mehr aus.

Irgendwas muss sich dringend ändern,

sonst gehe ich kaputt.“

 

So viele Menschen sind in ihrem Leben unglücklich, spüren,

dass sich etwas ändern muss,

dass es so nicht mehr weitergeht,

dass sie keine Kraft mehr haben

– und ändern… nichts.

 

„Fahre hinaus,

wo es tief ist,

und wirf deine Netze zum Fang aus!“,

sagt Jesus zu Petrus.

 

Petrus ist frustriert,

wieder nichts gefangen,

wieder umsonst gearbeitet,

so geht es nicht weiter,

was für ein Leben ist das eigentlich?

 

Und Jesus kommt auf ihn zu und sagt:

„Fahre hinaus, wo es tief ist,

und wirf deine Netze zum Fang aus“

Geh dorthin,

wohin du dich sonst nicht hinwagst,

dort wo es tief ist

und unberechenbar.

 

Und dann geschieht, was man nicht erwartet:

Petrus macht es.

Er diskutiert nicht,

er sagt nicht,

dass er 15 Jahre Berufserfahrung hat

und sich von einem dahergelaufenen Zimmermann nichts sagen lässt

– er tut einfach,

was Jesus sagt.

 

Irgendetwas in der Predigt muss ihn angestoßen haben,

dass er Jesus vertraut.

Vielleicht ist er dankbar,

dass jemand von außen in sein Leben kommt

und ihm sagt:

„Komm schon, versuchs nochmal!“

Ein kleiner Anstoß!

 

Und Petrus,

der frustriert am Ufer rumgesessen ist,

wird aktiv.

 

Und nachdem er einen unglaublichen Fang gemacht hat,

nimmt sich Petrus ein Herz.

Er kündigt,

er ändert sein Leben,

er fängt noch einmal von vorne an.

 

Fahre hinaus, wo es tief ist,

und wirf deine Netze zum Fang aus!

 

Mehr war es nicht.

Ein kleiner Anstoß,

ein aufmunternder Satz.

 

Aber offensichtlich war es das Wort,

auf das Petrus gewartet hat.

 

Dass sich endlich was ändert.

Dass er sich endlich aufrafft,

aktiv wird.

 

Tief in seinem Inneren weiß Petrus schon lange,

dass er etwas ändern muss.

Er hat es nur einfach nicht getan.

Bis Jesus kommt.

Wenn sich sein Kumpel nicht das T-Shirt eingerissen hätte,

hätte Sven den Nagel vermutlich nie aus der Wand gezogen.

Er wäre Tag für Tag an dem Nagel vorbeigegangen

und hätte sich geärgert.

 

Es muss halt immer erst etwas passieren,

dass wir etwas ändern.

Warum eigentlich?

 

Nach einem Unfall,

einer Krankheit,

wenn jemand stirbt,

wenn man den Job verliert,

wenn ein schwelender Konflikt nach Jahren eskaliert … dann werden wir aktiv.

 

Dann denken wir über unser Leben nach,

dann ändern wir vielleicht was,

dann raffen wir uns auf und sagen:

Jetzt reicht es!

Jetzt pack ichs an!

Jetzt ändere ich mein Leben!

… und oft genug tun wirs dann doch nicht.

 

„Fahre hinaus, wo es tief ist,

und wirf deine Netze zum Fang aus!“,

sagt Jesus auch zu uns.

Zu jeder und jedem von uns.

„Trau dich!

Geh dahin, wo das Leben tief wird

und unberechenbar.  

Du schaffst das!

Ich steh dir zu Seite!“

 

Jesus kommt zu uns,

er sieht, dass wir tief in uns wissen,

was uns unglücklich macht,

die großen und die Kleinen Dinge

was wir in unserem Leben ändern müssen

– und es einfach nicht tun.

 

Und er sagt:

Fahre hinaus, wo es tief ist,

und wirf deine Netze zum Fang aus!

 

Du brauchst einen Anstoß,

um aktiv zu werden?

Das ist er!

 

Jesus kommt zu dir und sagt:

Los jetzt!

Fahre hinaus,

wo es tief ist,

und wirf deine Netze zum Fang aus!

 

Manchmal braucht es nur einen Anstoß.

Warum nicht jetzt?

Also: Wenn Sie nachher nach Hause kommen,

fangen Sie mit was Kleinem an

Nehmen Sie sich doch eine Zange

und ziehen endlich den krummen Nagel aus der Wand!

Amen

 

Predigtlied 346, 1+3 Such, wer da will ein ander Ziel

 

Abkündigungen

 

Lied EG 395, 1-3 Vertraut den neuen Wegen

 

Fürbitten

Barmherziger Gott,
mit Dir neue Wege gehen, das wär´s.
Netze auszuwerfen, wo dann auch Fische sind.
Mit Dir leben, getröstet und genährt.
Statt all der Alltagsangst, dem Druck,
dem Müssen und Sollen
und am Ende doch der Hunger.

Ach Gott, erhöre uns:                                                            Schenke uns Leben in Fülle

Für Deine Kirche bitte ich Dich, Gott.
Sind die Wasser ausgefischt und die Tempel leer?

Passen Fische und Netze, Handwerk und Hoffnung zueinander?
Für Zahlen und Rechnungen,
Kundgaben und Geist-Worte,
schenk uns Verstehen!

Ach Gott, wir bitten Dich, erhöre uns:                 Erneuere deine Kirche

Für Entscheider und Präsidentinnen,
für Klar-Sein und Maßhalten,
Schutz, Abstand und Nähe.
Dein Weg mit uns ist dunkel manchmal,                                     kantig und verwurzelt.
Zeig´ dich, Gott, mitten im Chaos, immer wieder.

Ich bitte Dich für Ferienkinder und Urlaubserwachsene.
Freie Zeit und leichtes Herz,
zu Hause ohne Schule oder vorsichtig über die Grenze in ein anderes Land -
ach Gott, wir bitten Dich, erhöre uns:                                

Behüte uns alle und erhalte uns gesund

Und für die unruhigen Herzen bitte ich Dich, Gott.
Für alles „ich müsste mehr tun“,
jedes „ich hab nichts geschafft“.
Mit Dir zu sein, Gott, ist Leben, ist Atem, ist Glück.
Pulsier´ durch uns durch, alle hier,
wie wir sind, und erhöre uns.

Vater Unser

 

Segen

Musik