Gottesdienst am 4. Sonntag nach Trinitatis

4. Sonntag nach Trinitatis 2020 (Römer 12, 17-21)

Musik

Votum

P       Wir feiern diesen Gottesdienst im Namen Gottes, des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes.

G      Amen.

P       Der Herr sei mit Euch

G      und mit deinem Geist

Begrüßung

Ich begrüße Sie herzlich zu diesem Gottesdienst am 4. Sonntag nach Trinitatis.

Einer trage des anderen Last,

so werdet ihr das Gesetz Christi erfüllen (Galater 6,2)

Die Lasten der anderen tragen. Gutes suchen.

Das Böse mit Gutem vergelten.

Dazu sind wir Christinnen und Christen gerufen und befähigt.

Gott weist uns auf den Weg der Liebe;

und er stärkt uns, diesen Weg zu suchen und zu gehen

 

Eingangslied EG 642, 1-2 Wir strecken uns nach dir

 

Confiteor

Vor Gott erkennen wir,

dass unser Leben und Zusammenleben nicht in Ordnung ist.

Immer wieder zeigen wir mit dem Finger auf die Fehler der anderen                                                                                 

und sind doch blind gegenüber unseren eigenen Mängeln und Schwächen.

Oft ist das,                                                                                     

was wir denken, sagen und tun,                                                                

weit von Gott und seiner Liebe entfernt.

         Stille

Wir brauchen Gottes Gnade und Hilfe und bitten ihn:

Gott, sei mir Sünder gnädig.

Der allmächtige Gott erbarme sich unser,

er vergebe uns unsere Sünde

und führe uns zum ewigen Leben.

 

Kyrie 178.11 x 3 Herr, erbarme dich

 

Der allmächtige Gott hat sich unser erbarmt.

In Jesus Christus schaut er uns freundlich an.

Jeden Tag kommt er uns entgegen mit seiner Vergebung und Liebe.

Wer das glaubt und getauft ist, der wird selig werden.

Das verleihe Gott uns allen.

L:      (Darum:) Lobe den Herren meine Seele,

         und vergiss nicht, was er dir Gutes getan hat.

G:     Der dir alle deine Sünde vergibt,

         und heilet alle deine Gebrechen,

der dein Leben vom Verderben erlöst,

der dich krönet mit Gnade und Barmherzigkeit

Gloria
L:      Ehre sei Gott in der Höhe

G:     und Friede auf Erden, den Menschen ein Wohlgefallen

Lasst uns Gott loben mit dem Lied

Lied EG 165, 1+6 Gott ist gegenwärtig

Tagesgebet

Gott, Urgrund des Lebens und Quelle der Wahrheit,

erfülle uns mit deiner Barmherzigkeit,

dass wir unsere Mitmenschen nicht lieblos verurteilen,

sondern sie mit den liebenden Augen Jesu sehen,

der mit dir in der Einheit des Heiligen Geistes

lebt und wirkt in Ewigkeit.

Amen.

Lesung

Glaubensbekenntnis

Lied EG 495, 1+3 O Gott, du frommer Gott

Predigt  Römer 12,17-21

Vergeltet niemandem Böses mit Bösem.                             

Seid auf Gutes bedacht gegenüber jedermann.

Ist's möglich,

soviel an euch liegt,

so habt mit allen Menschen Frieden.

 

Rächt euch nicht selbst, meine Lieben,

sondern gebt Raum dem Zorn Gottes;

denn es steht geschrieben (5. Mose 32,35):

»Die Rache ist mein;

ich will vergelten, spricht der Herr.«

 

Vielmehr,

»wenn deinen Feind hungert,

so gib ihm zu essen;

dürstet ihn, so gib ihm zu trinken.

Wenn du das tust,

so wirst du feurige Kohlen auf sein Haupt sammeln« (Sprüche 25,21-22).

 

Lass dich nicht vom Bösen überwinden,                         

sondern überwinde das Böse mit Gutem.

Liebe Gemeinde,

Happy End – Ende gut, alles gut.

Mir steht eine Filmszene vor Augen.                                            

Der Held des Films und seine Mitstreiter liegen sich froh in den Armen.                                                                                      

Die Musik erklingt in strahlenden Tönen.                                          

Alles ist hell,                                                                                          

die Sonne scheint,                                                                              

die Atmosphäre ist beschwingt                                          

und die Fröhlichkeit greifbar.

Das gute Ende lässt einem das Herz aufgehen.                         

Bei manchen Zuschauern kullern Freudentränen aus den Augen.                                                                                     

Das Gute hat wieder einmal gesiegt,                                                

so wie man es den ganzen Film hindurch gehofft hatte.

Kurz zuvor hatte das in dem Film noch ganz anders ausgesehen.                                                                                              

 Da war es,                                                                                          

als hätte eine dunkle Macht die Regie übernommen: Das Bild verfinstert sich.                                                        

Dunkle Schatten greifen nach den Menschen, beherrschen ihr Handeln.                                                                        

Die Musik ist bedrohlich,                                                  

die unheilvollen Klänge passen zu dem Geschehen.

Das Böse beherrscht die Szene.                                          

Beklemmung stellt sich ein,                                                            

kein Ausweg deutet sich an.                                                            

Hier sind Menschen am Handeln,                                                           

die bewusst andere belügen, bedrohen, verletzen, bestehlen und töten.

Im Film sind die Rollen meistens ganz eindeutig verteilt: Auf der einen Seite die Guten,                                                                     

und ihnen gegenüber stehen die Bösen.                                

Manchmal wird das sogar noch durch die Kleidung unterstrichen.                                                                                   

Helle Kleidung für die good guys,                                               

während man die Bösen schon an ihrer düsteren Garderobe erkennt.                                                                              

Denken Sie an Darth Vader aus Star Wars,                           

dessen schwarze Gesichtsmaske sein düsteres Aussehen komplementiert.

Hell und dunkel,                                                                   

schwarz und weiß,                                                                             

so einfach wie im Film ist es im Leben selten.

Und doch hat es entscheidenden Einfluss auf unser Leben,                                                                                        

das Gute und das Böse.                                                             

Das Gute, das wir erfahren,                                                        

das uns „zugute“ kommt.                                                                    

Aber auch das Gute, das wir anderen tun.

Das Böse,                                                                                       

das uns widerfährt,                                                                      

das uns Leid zufügt.                                                                       

Aber auch das Böse,                                                                                        

das wir anderen antun.

Wir leben meistens in den Zwischentönen,                          

die wenigsten Menschen sind nur gut oder nur schlecht.                                        

Stattdessen leben wir in den Grautönen zwischen Gut und Böse.                                                                                       

Wir sind hineingespannt zwischen Gut und Böse,          

mal widerfährt es uns,                                                                   

 mal sind wir selbst die Handelnden.

In dem Bibelwort für den heutigen Sonntag geht es auch um Gut und Böse,

Der Apostel Paulus fordert von uns:
Lass dich nicht vom Bösen überwinden,
sondern überwinde das Böse mit Gutem.

Nur – wie geht das?
Geht es einfach: Ich will nichts Böses tun, nur Gutes?

„Ich sage dem Bösen ab!“                                                                

In der frühen Kirche hat der Pfarrer den erwachsenen Taufanwärter gefragt:                                                               

„Sagst du dem Bösen ab?“                                                           

Oder – für unsere Ohren dramatischer,                                           

aber von der Bedeutung dasselbe:                                  

 „Sagst du dem Satan ab?“

Und wenn die Taufbewerberin, der Taufbewerber dann geantwortet:                                                                   

„Ja, ich sage dem Satan ab!“,                                                  

dann war das eine ganz klare Willensbekundung:              

 „Ich will heraus aus dem Machtbereich des Bösen, hinein in den Machtbereich Gottes.                                                 

Ich will alles – soweit ich es kann – daransetzen,                   

dass ich nichts Böses tue.“

Ich bin nicht nur ein Spielball zwischen Gut und Böse, nein, ich bin auch Mitspieler,                                                         

ein Mensch mit eigenem Willen.                                   

Ich kann und soll mich gegen das Böse und für das Gute entscheiden.

Das Entscheidende bei der Taufe ist aber nicht meine Willensbekundung,                                                                    

sondern dass ich auf den dreieinigen Gott getauft werde.                                                                                                   

Gott ist der Handelnde bei der Taufe.                                                

Gott nimmt mich in der Taufe als sein Kind an.                    

Er eröffnet mir den Weg,                                                                

ein Leben in Beziehung mit ihm zu führen.

Für die Frage von Gut und Böse hat das erhebliche Konsequenzen.

Ich muss meine Entscheidungen nicht alleine treffen.
Gott unterstützt die Seinen.                                                                  

Die Hilfen, die Gott mir dabei anbietet, sind vielfältig:

Da sind zuerst die Gebote.                                                            

 Es lohnt sich,                                                                                   

in unserem Gesangbuch die Zehn Gebote und die Luthers Auslegung im Kleinen Katechismus wieder einmal zu lesen und zu bedenken.                                                        

In ihnen haben wir eine Orientierung,                                      

was Gut und was Böse ist.

Die Gebote wollen helfen,                                                               

das Leben zu gestalten.                                                         

Sie wollen verhindern,                                                                       

dass durch uns anderen Menschen ein Leid geschieht, dass wir Böses tun.                                                                 

Stattdessen leiten sie uns zum Guten.

Martin Luther hat das in seiner Auslegung immer wieder deutlich gemacht:                                                                               

 Es geht nicht nur darum das Böse zu lassen,                      

sondern auch das Gute zu tun.

Beispiel gefällig?

Du sollst nicht töten.                                                     

Was ist das?                                                                

Wir sollen Gott fürchten und lieben,                                       

dass wir unserem Nächsten an seinem Leib keinen Schaden noch Leid tun,                                      

 SONDERN ihm helfen und beistehen in allen Nöten.

Heute würde Luther vielleicht noch ergänzen,                   

dass wir unserem Nächsten auch an der Seele kein Leid zufügen sollen:                                                                                   

Wie viel Leid erfahren Schüler oder Menschen im Arbeitsleben durch Mobbing?

Oder:                                                                               

Du sollst nicht falsch Zeugnis reden wider deinen Nächsten.

Was ist das?                                                                          

Wir sollen Gott fürchten und lieben,                                       

dass wir unsern Nächsten nicht belügen, verraten, verleumden oder seinen Ruf verderben,                         

sondern sollen ihn entschuldigen, Gutes von ihm reden und alles zum Besten kehren.

Was wäre gewonnen,                                                        

wenn weniger gelogen und gelästert werden würde?   Wenn wir kleine Unzulänglichkeiten nicht aufbauschen und verlachen würden,                                                   

sondern sie mit Gelassenheit und Humor so nehmen wie sie sind

Die Zehn Gebote sind das Eine.                                               

Zum anderen – daran anknüpfend – ist da Jesus.                 

Auf ihn sollen wir sehen, ihm nachfolgen.

Paulus erwähnt im Zusammenhang mit seiner Ermahnung,                                                                   

das Böse mit Gutem zu überwinden, viele Merksätze, die von Jesusworten abgeleitet sind:

Vergeltet niemand Böses mit Bösem.
Seid auf Gutes bedacht gegenüber jedermann.
Ist’s möglich,                                                                        

soviel an euch liegt,                                                                         

so habt mit allen Menschen Frieden…

Wenn dein Feind hungert, so gib ihm zu essen;
dürstet ihn, so gib ihm zu trinken.

Die Liebe, selbst die Feindesliebe wird der Maßstab des Handelns.

Jesus selbst hat das wichtigste Gebot so formuliert:
Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben von ganzem Herzen, von ganzer Seele und von ganzem Gemüt. Dies ist das höchste und größte Gebot.                                          

Das andere aber ist dem gleich:                                                          

„Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst.

Eigentlich ganz einfach, oder?

Was hier so griffig formuliert ist,                                                       

daran kann sich eine Christin, ein Christ das ganze Leben lang abarbeiten.

Im Sprichwort heißt es zusammengefasst:                             

„Was du nicht willst, das man dir tu’, das füg’ auch keinem andern zu.“                                                                

Die Vernunft sagt: Mach das nicht!

Die Erfahrung lehrt aber,                                                            

dass es trotzdem gemacht wird.                                              

Schon Paulus hat sich der schmerzlichen Selbsterkenntnis stellen müssen:

Das Gute, das ich will, das tue ich nicht;                       

sondern das Böse, das ich nicht will, das tue ich.

Das Böse, das, was dem anderen schadet, ihn verletzt, ihn leiden lässt, - das wird getan,                             

obwohl man es doch besser weiß.                                         

Obwohl man es anders wollte.

Man stößt schnell an seine Grenzen,                                       

wenn man sich allein auf den Verstand und die eigene Willenskraft verlässt.

Immer wieder braucht es da eine Hilfestellung.                   

Diese Hilfestellung hat Gott in der Taufe angeboten. Gott selbst kommt hier ins Spiel,                                              

wo es gegen das Böse geht.

Er hat in Jesus Christus das Böse überwunden,               

dem Bösen die Macht genommen.                                 

Er stößt auch uns an, er hilft, er gibt Gelingen.

Wir sind seit der Taufe zusammengespannt mit dem, der das Böse überwunden hat, Jesus Christus.                     

Sein Geist will in uns lebendig sein und uns leiten.                    

Er hilft uns, das Böse zu überwinden und das Gute zu tun.

Nun, wie kann das konkret ablaufen?

Sie kennen sicher auch diesen Widerstreit in sich:        

Ist das jetzt gut oder nicht?                                         

Was ist in dieser Situation das richtige Handeln oder Reden?                                                                        

Soll ich das so machen oder so?

Oft ist es gar nicht so einfach zu entscheiden,            

was in einer Situation das Richtige ist.

Vor ein paar Jahren dachte man das Biosprit aus Raps, Soja und Getreide ein gangbarer Weg für die Energieversorgung der Zukunft wäre.                        

Heute stellt es sich als problematisch dar.                    

Zum einen ist der Kraftstoff nur mit hohen Subventionen bezahlbar.                                                                                     

Vor allem aber werden wertvolle Nahrungsmittel zur Energiegewinnung verbraucht,                                       

während anderswo Menschen Hunger leiden.

Und auch im privaten wissen Sie sicher um Beispiele, wo es einer mit dem anderen gut gemeint hat                          

und das Gegenteil dessen erreicht hat, was er wollte.

Da behüten Eltern ihren Sohn vor allem,                             

wollen ihm alles Schwere ersparen…                                    

Und merken erst spät, dass ihr Sohn überfordert ist, wenn er mit auf Klassenfahrt soll                                                

oder im Berufspraktikum seinen Mann stehen..                                 

Die Ermahnung des Paulus:                                                

Lass dich nicht vom Bösen überwinden,                             

sondern überwinde das Böse mit Gutem,                               

könnte leicht zur Überforderung werden.

Ich denke aber,                                                                                    

Paulus will uns zurückbinden an Gott:                                      

Weil es oft schwer ist zu erkennen,                                      

was gut und was schlecht ist,                                                      

 führt uns das zum Gebet,                                                             

zur Zwiesprache mit Gott.

Es sind ja oft Graubereiche,                                                               

in denen es ganz schwer zu entscheiden ist:                                 

Was ist gut, was böse?

Im Gebet,                                                                          

im Bedenken vor Gott erbitten wir,                                       

den Weg gehen zu können,                                         

 auf dem das Böse mit dem Guten überwunden wird. Und wir dürfen darauf vertrauen:                                               

Der Heilige Geist hilft uns.

Wenn ich im Zweifel bin,                                                         

ob ich das Richtige tue,                                                           

wende ich mich im Gebet an Gott.

Lass dich nicht vom Bösen überwinden,
sondern überwinde das Böse mit Gutem.

Amen.

Predigtlied EG 412, 1+6 So jemand spricht, ich liebe Gott

Abkündigungen

EG 171, 1-2 Bewahre uns Gott

Fürbitten

Barmherziger, gnädiger Gott,

du tröstest dein Volk und redest freundlich mit uns.

Du willst, dass wir einander die Lasten tragen.

 

So bitten wir dich:

Für deine Kirche,

dass sie deine frohe Botschaft zu den Menschen trägt und sie getröstet werden und Vergebung erfahren.

Schenke allen Mitarbeitenden in der Kirche und den Gemeinden

die rechten Worte, Freundlichkeit und Liebe.

Verhilf uns zu einem guten Miteinander,

damit wir Christinnen und Christen zu glaubwürdigen und fröhlichen Zeugen des Evangeliums werden.

 

Wir bitten für unser Land und unsere Gesellschaft:

Gib allen, die Verantwortung tragen, Kraft und Willen, immer wieder neu das Gute und Gerechte zu suchen.

Schenke denen,

die sich benachteiligt oder ungerecht behandelt fühlen, Augen und Ohren für das Gute in ihrem Leben

und lass ihnen Gerechtigkeit und Güte widerfahren.

Hilf, wenn andere uns brauchen,

dass wir geduldig hören,

das Richtige tun und gute Worte finden.

 

Wir bitten für die Familien und Partnerschaften:

Gib, dass wir achtsam und behutsam mit den uns anvertrauten Menschen umgehen.

Schenke Freude am Erfolg und am Gelingen des anderen.

Hilf, dass wir einander annehmen und immer wieder Wege der Versöhnung suchen.

 

Wir bitten für die Menschen in den Krisengebieten dieser Welt:

Sei bei den Hungernden, den Verfolgten, den Opfern der Kriege, den Flüchtlingen.

Gib du helfende Hände,

Menschen, die beistehen und Lasten tragen,

die Bereitschaft zu geben und zu teilen.

 

Mache du gut,

was wir Falsches oder Böse tun.

Bringe zurecht, was wir nicht vermögen.

Segne unser Tun zum Wohl der Nächsten.

Damit wir aus deiner Liebe leben

– heute und in Ewigkeit.

 

Vater Unser

 

Ein Segenswunsch von Hanns Dieter Hüsch

Gott der Herr möge uns behüten vor aller Besserwisserei

und uns beflügeln Freiheit und Fantasie zu nutzen,    

um Feinde in Freunde zu verwandeln.

Er lösche langsam in uns jedes Vorurteil                             

- langsam.                                                                               

Denn wir stecken bis über beide Ohren voll davon

Er führe uns nicht in Haarspaltereien, Gedankenenge und Geistesnot                                                                  

sondern schenke uns von Seiner Vielfalt ein Stückchen Großmut.                                                                          

Darum bitten wir ihn von Herzen. Amen

 

Nachspiel