Gottesdienst am 3. Sonntag nach Trinitatis

3. Sonntag nach Trinitatis (Micha 7,18-20)

Musik

Votum

P       Wir feiern diesen Gottesdienst im Namen Gottes, des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes.

G      Amen.

P     Der Herr sei mit Euch

G      und mit deinem Geist

Begrüßung

 

Ich begrüße Sie herzlich zu diesem Gottesdienst am 3. Sonntag nach Trinitatis.

 

Gottes großes Erbarmen, seine Güte ist das Thema dieses Sonntags.

Auch wenn wir uns verlieren, in Eigensinn und Schuld, da sucht uns Gott und bringt uns zu sich zurück.

Davon erzählt auch der Wochenspruch.

Der Menschensohn ist gekommen, zu suchen und selig zu machen, was verloren ist. (Lk 19,10)

Eingangslied EG 355, 1+3 Mir ist Erbarmung widerfahren

Confiteor

Verloren ...
So fühlen wir uns manchmal in dieser Welt.
Verloren im Trubel des Alltags,
verloren im Schuldig-Werden gegenüber unseren Nächsten,
verloren in Sackgassen unseres Lebens,
verloren in der Einsamkeit unseres Daseins,
verloren in der Trauer, im Leid, im Tod ...

Dass du uns findest,
barmherziger himmlischer Vater,
ist unsere Hoffnung.

 

So rufen wir zu dir:

Gott sei mir Sünder gnädig

G      Der allmächtige Gott erbarme sich unser,

er vergebe uns unsere Sünde

        und führe uns zum ewigen Leben.

 

Kyrie KAA 083, 1+4 Meine engen Grenzen

 

Der allmächtige Gott hat sich unser erbarmt:

Jesus Christus spricht:

Ich bin gekommen, zu suchen und selig zu machen,

was verloren ist.

Wer dieser Verheißung vertraut,

der wird selig werden.

Das verleihe Gott uns allen. Amen.

 

L:         (Darum:) Lobe den Herren meine Seele,

            und vergiss nicht, was er dir Gutes getan hat.

G:        Der dir alle deine Sünde vergibt,

            und heilet alle deine Gebrechen,

der dein Leben vom Verderben erlöst,

der dich krönet mit Gnade und Barmherzigkeit

Gloria
 
L:          Ehre sei Gott in der Höhe

G:     und Friede auf Erden, den Menschen ein Wohlgefallen

 

Lasst uns Gott loben mit dem Lied

 

Lied KAA 010, 1-2 Lobe den Herrn, meine Seele

 

Tagesgebet

 

Barmherziger Gott,                                                                  du hast Gefallen an Gnade.                                                                    Wir danken dir dafür und bitten dich:

Mache Menschen aus uns,                                                            die sich deine Gnade gefallen lassen.                                            Bewahre uns vor Hochmut und Selbstgefälligkeit.                                       Hilf uns barmherzig mit anderen                                                              und mit uns selbst zu sein.

Denen, die tief verunsichert sind,                                                         weil sie nicht wissen, wie es weitergeht,                                                  schenke Vertrauen und Zuversicht.

Uns allen schenken deinen guten Geist der Hoffnung und Freude. Amen.

Lesung

Glaubensbekenntnis

 

Lied EG 353, 1+2 Jesus nimmt die Sünder an

 

Predigt (Micha 7, 18-20)

 

Wo ist solch ein Gott,                                                                wie du bist, der die Sünde vergibt                                               und erlässt die Schuld denen,                                                          die geblieben sind als Rest seines Erbteils;                                      

der an seinem Zorn nicht ewig festhält,                                      denn er hat Gefallen an Gnade!

Er wird sich unser wieder erbarmen,                                      unsere Schuld unter die Füße treten                                             und alle unsere Sünden in die Tiefen des Meeres werfen.  

Du wirst Jakob die Treue halten und Abraham Gnade erweisen,                                                                                       wie du unsern Vätern vorzeiten geschworen hast.

 

Was liebst Du?

Ich liebe Erdbeerkuchen mit Schlagsahne

und einen eiskalte Gin Tonic am Abend.

Ich liebe den Moment,                                                                        wenn an einem schwülen Tag abends die ersten kräftigen Winde heranrauschen                                                     und das Gewitter ankündigen                                                    und ich liebe den Geruch von Regen auf dem staubigen Asphalt.

Ich liebe es am Meer zu sitzen                                                      und den Sonnenuntergang anzuschauen,                             den Blick in die Ferne gerichtet

und ich liebe es,                                                                            wenn im Winter Schneeflocken leise zu Boden fallen und alles unter einer weißen Decke begraben.

Oder wenn die Natur im Frühling auf einmal so explodiert                                                                                     und das erste Grün und all die Farben der Blumen überwältigend schön sind.

Was liebst du?

…Gott?

Gott liebt es gnädig zu sein.

Gott liebt Güte.

Gott hat Gefallen an Gnade

Für Gott gibt es nichts Schöneres, Kostbareres, wunderbareres.

Nur gnädig sein. Nur Güte.

 

Ich weiß natürlich:

Ich kann Gott und seine Liebe nicht vergleichen, mit dem was und wie ich liebe.

Oder was Du liebst.

Gott ist doch so unendlich und unfassbar größer.                    Nichts kann man mit Gott vergleichen!                                                   Wo ist solch ein Gott, wie du bist?                                                                 Wo ist so etwas oder so jemand Gnädiges, Gütiges und Liebevolles, wie du bist?

Niemand ist dir gleich.                                                     Wer könnte deine Liebe und Güte nachempfinden?!

Und doch…

Manchmal denke ich:                                                                                     Ob nicht eine Ahnung in dem, was ich liebe, steckt?                 Eine Ahnung von Gottes Liebe?                                                     von seiner Güte?

Vielleicht liebt Gott es so gnädig zu sein,                                           wie ich den Geruch von Regen auf dem staubigen Asphalt liebe                                                                    am Ende eines heißen, drückenden Tages -                                  wenn die aufgeheizte und rissige Erde nach dem Wasser lechzt                                                                                  und es dann nach den ersten Tropfen riecht,                       so unvergleichlich frisch und lebendig.

Vielleicht riecht gnädig zu sein für Gott auch so                    nach einem heißen Tag -                                                                 nach all dem, was er auf Erden gesehen, gehört und miterlebt hat                                                                     nach all den Lügen, der Hetze und dem Hass                               nach allem, woran Gott gelitten hat,                                                                   weil die Herzen, Worte und Waffen so scharf waren

nach all den mühseligen und beladenen Versuchen der Menschen, das Leben zu meistern,                                                    die Schöpfung zu bewahren,                                                          Politik zu machen,                                                                         über die Runden zu kommen                                                             Spaß zu haben                                                                                Geld zu verdienen, - nicht selten auf Kosten anderer Menschen, den Tieren du der Natur,                           

nach all den mühseligen und beladenen Versuchen, Gerechtigkeit zu leben                                                                                        und zu Glauben                                                                             und vieles davon immer wieder krachend scheitert,                 als wäre da irgendetwas zu drückend schwül                                          und alles so träge und matt                                                                                                     so ausgelaugt und ausgetrocknet.

Vielleicht riecht Gott dann in seinem Herzen den Geruch von Regen, von Donner und Blitz                                                                                         nach dem Zorn, den ihn manchmal überkommt angesichts des Unrechts                                                             - nach dem Gewitter aber riecht es frisch und lebendig

nach Regen der Leben schenkt                                                              und Wachstum.

Es riecht nach frischen und tanzenden Tropfen voller Glück.

Und Gott liebt das,                                                                       Gott liebt es, gnädig zu sein                                                            den Staub davon zu waschen                                                                           die Schuld zu vergeben                                                                         und sich über die rissige Erde und die rissigen Herzen zu erbarmen.

Vielleicht riecht Gnade wie der Regen auf dem staubigen Asphalt.                                                                      Und Gott liebt es gnädig zu sein.                                                 Gott liebt Güte.

Wie wenn die ersten Winde das Gewitter ankündigen   scheinbar aus dem Nichts,                                             von einer Sekunde auf die andere kühle Luft heranwehen                                                                            und die Kräfte des Himmels ankündigen.

Und Gott sieht,                                                               wie wir im Bett liegen und nicht einschlafen können wegen der Hitze des Tages,                                                 und wegen all der Mühsal und den drückenden Gedanken                                                                                   und sieht,                                                                                      wie wir uns über die ersten Winde freuen und denken:               Endlich Wind, endlich wird die stehende Luft durchgewirbelt                                                                                                  und es wird kühler                                                                      und Schlaf wirst du auch finden.

Vielleicht spürt Gott in seinem Herzen so einen Wind,    der weht und Neues herantreibt                                                Ruhe und Schlaf                                                               Erquicken.

So einen Wind, der die stehende Luft davonbläst               das Immer-Gleiche                                                                             und das Da-kann-man-sowieso-nichts-machen,                         das Das-habt-ihr-euch-selbst-zuzuschreiben,                              das ich-schaff-es-nicht                                                                     und das ich-finde-keine-Ruhe.

Alles treibt er davon,                                                                          wirbelt das Normale auf, bringt Neues heran -                                       

Wind, der auch die Macht des Wetters zeigt,                              die uns Menschen demütig macht                                              und dankbar                                                                                     und wir spüren, wie wir Teil des großen Ganzen sind                            Teil von Gottes Schöpfung.

Vielleicht fühlt sich Gnade an wie der Wind auf der Haut und in den Haaren.                                                                       Und Gott spürt diesen Wind im Herzen.                                            Gott liebt das – gnädig zu sein                                                          Gott liebt Güte.

Wie wenn er am Meer sitzt                                                          über dem die Sonne untergeht                                                    den Blick in die Ferne gerichtet                                                 über die leisen Wellen und kreischenden Möwen.

Und Gott dabei in seinem Herzen spürt,                                               dass er die Sünden und Verfehlungen der Menschen so weit weg sein lässt                                                                         als liegen sie dort in die Tiefen des Meeres                     unerreichbar fern und tief                                                               wie weggespült und weggewaschen.

Und die Sonne scheint über dem Meer voll Müll weiter.     Ich weiß, wir denken an die Plastikberge im Meer                  weil wir Menschen auch den Müll im Meer entsorgen und das holt uns jetzt ein,                                                           weil Microplastik in allem Fisch und überall ist                       als würde unser abgeladener Müll an uns kleben             und immer wieder zu uns zurückfinden.

Aber was Gott weggetragen hat,                                                            kommt nicht zurück                                                                        Der Seelenmüll bleibt dort,                                                                    weil Gott ihn so weit weggetragen hat.

Und darüber die Sonne immer neu aufgehen lässt,        so wie sein leuchtendes Angesicht                                               und seine Gnade so tief wie das Meer ist                                      abgrundtief bis zum Boden.

Vielleicht hört sich Gnade so an wie das Schlagen der Wellen und Kreischen der Möwen,                                                           und die Stille, die in allem ist.

Gott liebt das, gnädig zu sein.                                                                 Gott liebt Güte.

Er wird sich unser wieder erbarmen,                                                               unsere Schuld von uns nehmen                                               und alle unsere Sünden in die Tiefen des Meeres werfen

ich denke an Erdbeerkuchen und einen Gin Tonic am Abend                                                                                       an die Fülle die ich schmecke                                                        an all die Erinnerungen die beim Kauen und Trinken hochkommen                                                                                   an den Erdbeerkuchen zuhause bei Mutter,                                   an erfüllte Zeiten mit Freunden

Vielleicht schmeckt Güte so                                                           nach Gemeinschaft,                                                                      nach Heil-sein,                                                                                               nach Staunen und Glück

und Gott schmeckt sie im Herzen                                                Gott liebt Güte.

Was liebst Du?                                                                               Ich glaube: Ich liebe Gottes Gnade.                                             Ich liebe seine Güte. Ich liebe sein Wohlgefallen

weil es riecht wie Regen,                                                             und sich anfühlt wie Wind auf der Haut                               schmeckt wie Erdbeerkuchen                                            und nach Wellenschlag am Meer klingt.

Und wie gerne will ich Gottes Güte noch mehr lieben! Und auch in allem anderen entdecken.                                           In allem, was mein Leben ausmacht                                          an Schönem und Geliebten                                                        und an Schwerem und Mühseligen.

Weil Gottes Güte mich trägt                                                           und umfängt                                                                                     und sie mir leise sagt:                                                                   Gott liebt. Amen

 

Lied EG 502, 1+2 Nun preiset alle

 

Abkündigungen

 

Lied KAA 074, 1+4 Da wohnt ein Sehnen

 

Fürbitten

 

Barmherziger Gott,

der Normalität kommen wir mit jedem Tag ein Stück näher,                                                                                          so scheint es jedenfalls.                                                              Wie brüchig diese Normalität ist,                                                  wird uns immer wieder vor Augen geführt.                

Und dennoch:                                                                                 Die Sehnsucht nach einem Alltag,                                               wie wir ihn "vor Corona" kannten, ist bei vielen groß.  Der Wunsch,                                                                     diese bedrohliche und beschwerliche Zeit möge vorbei sein,                                                                               ist überall zu spüren.

Lass uns nicht vergessen,                                                                    dass auch jetzt in vielen Ländern die Bedrohung noch ganz präsent ist                                                                                                        und dass das Geschehene in vielen Ländern Menschen traumatisiert und am Boden liegend hinterlassen hat.

 

Lass uns nicht vergessen,                                                              dass auch hier das Leben vieler Menschen noch durch das Virus oder seine Folgen belastet ist,                                            dass sich für viele Menschen so viel verändert hat,                             weil sie Angehörige verloren haben,                                          weil sie selber erkrankt waren und noch sind,               weil sie Angst um ihre Arbeitsstelle haben                                    weil ihr finanzielles Auskommen nicht mehr sicher ist, weil sie erschöpft von der Arbeit in systemrelevanten Bereichen sind.                                                                                 Lass uns nicht vergessen,                                             für sie alle zu beten und für sie zu sorgen.

Wir freuen uns mit allen,                                                        die in den letzten Tagen und Wochen                                   den widrigen Umständen zum Trotz                                        ihre Prüfungen abgelegt und bestanden haben.                         Hilf ihnen, ihren Erfolg verantwortungsbewusst zu feiern.  Schenke ihnen Erholung von den Anstrengungen.

Ich bete besonders für alle Jugendlichen und jungen Erwachsenen,                                                                                   die noch auf der Suche nach einem Ausbildungsplatz sind.                                                                     Erinnere die Verantwortlichen in Politik und Wirtschaft, dass Arbeit und eine gute Ausbildung zur Würde des Menschen gehört.  

Lass uns nicht vergessen,                                                      dankbar zu sein für deinen Schutz und deine Liebe, dafür, dass uns deine Liebe durch diese Zeit getragen hat und uns weiter trägt.

Lass uns nicht vergessen,                                                     dankbar zu sein dafür,                                                            dass wir in einem Land leben, in dem Politik, Verwaltung, Gesundheits- und Versorgungssystem so funktionieren,                                                                                          dass noch Schlimmeres verhindert wurde.                                 Lass uns nicht vergessen,                                                  dankbar zu sein für all das zusätzliche Leid,                                                       das abgewendet werden konnte. Amen

 

Vaterunser

 

Segen

 

Nachspiel