Gottesdienst am 3. Advent 2020 (Lukas 1, 69-79)

Musik

Votum

Wir feiern diesen Gottesdienst im Namen Gottes, des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.

Freie Begrüßung

Liebe Gemeinde,

Ich begrüße Sie zu diesem Gottesdienst am 3. Advent.

Wochenspruch: Bereitet dem Herrn den Weg, denn siehe er kommt gewaltig.   

 

Eingangslied EG 1, 1-2 Macht hoch die Tür

 

Hinführung zum Confiteor – Gebet

 

Die Adventszeit ist eine besondere Zeit der Erwartung:

Wir Christen glauben, dass Jesus von Nazareth zu unserem Heil in die Welt gekommen ist,

und wir glauben, dass er am Ende der Zeit wieder­kommen wird, um die Welt zu vollenden.

In diesem Gottesdienst kommt er uns entgegen in seinem Wort

 

Zu Jesus dürfen wir alles bringen,

alles, was uns froh macht

und alles, was uns beschwert.

 

Lasst uns das in der Stille tun:

 

 -- Stille –

 

Durch Jesus Christus bitten wir unseren himmlischen Vater:

Gott, sei mir Sünder gnädig.

 

Alle: Der allmächtige Gott erbarme sich unser,

er vergebe uns unsere Sünde

und führe uns zum ewigen Leben. Amen.

 

Kyrie EG 178.9

 

Gnadenzusage

 

L       Der allmächtige Gott hat sich unser erbarmt.

Jesus von Nazareth ist in die Welt gekommen, um zu suchen und selig zu machen,

was verloren ist.

Er ist unser Retter. Er ist unser Friede.

Wer ihm vertraut und getauft ist, der wird selig werden.

Das verleihe Gott uns allen. Amen.

 

P: (Darum:) Lobe den Herren meine Seele,

         und vergiss nicht, was er dir Gutes getan hat.

G: Der dir alle deine Sünde vergibt,

         und heilet alle deine Gebrechen,

der dein Leben vom Verderben erlöst,

der dich krönt mit Gnade und Barmherzigkeit

 
Lied EG 13, 1-2 Tochter Zion 

 

Kollektengebet

 

Lasst uns beten

Guter Gott, lieber himmlischer Vater,

wir warten auf das Kommen deines Sohnes.

Mache durch deine Gegenwart die Finsternis

in unseren Herzen hell

und komm zu uns mit deiner Güte.

Darum bitten wir durch Christus Jesus,

deinen Sohn, unsern Bruder. Amen

 

Lesung

 

P/L: Dein Wort ist meines Fußes Leuchte

G: und ein Licht auf meinem Wege.

 

Glaubensbekenntnis

 

Lied EG 16, 1-2 Die Nacht ist vorgedrungen

 

Predigt

 

Zacharias, der Vater des Johannes,

wurde vom Heiligen Geist erfüllt,

weissagte und sprach:

 

Gelobt sei der Herr, der Gott Israels!

Denn er hat besucht und erlöst sein Volk

und hat uns aufgerichtet eine Macht des Heils

im Hause seines Dieners David

wie er vorzeiten geredet hat

durch den Mund seiner heiligen Propheten –,

 

dass er uns errettete von unsern Feinden

und aus der Hand aller, die uns hassen,

und Barmherzigkeit erzeigte unsern Vätern

und gedächte an seinen heiligen Bund

und an den Eid,

den er geschworen hat unserm Vater Abraham,

 

uns zu geben,

dass wir,

erlöst aus der Hand unsrer Feinde,

ihm dienten ohne Furcht unser Leben lang

in Heiligkeit und Gerechtigkeit vor seinen Augen.

 

Und du, Kindlein,

wirst ein Prophet des Höchsten heißen.

Denn du wirst dem Herrn vorangehen,                                        dass du seinen Weg bereitest.

In dieser Zeit hätte man tatsächlich schon ein Kind kriegen können.

 

Neun Monate lang tragen wir jetzt schon an dieser Pandemie herum

und die Parallelen zu einer Schwangerschaft sind gar nicht so weit hergeholt.

 

Das erste Drittel ist meistens nicht so schön.

Der Körper muss sich umstellen,

da kann einem morgens schlecht sein

und man muss auch erst einmal begreifen,

was da alles gerade mit einem passiert:

März, April, Mai.

 

Dann kommt das mittlere Drittel,

die beste Zeit der Schwangerschaft,

vor lauter Hormonen scheint gefühlt jeden Tag die Sonne

und alles fühlt sich trotz der veränderten Umstände leicht an.

Das sind die Monate voll guter Hoffnung:

Juni, Juli, August.

 

Das letzte Drittel wird dann mühsamer.

Man schleppt sich durch die Tage und Wochen

und spürt die Last deutlicher,

braucht Pausen,

wünscht sich den Tag herbei,

an dem es ein Ende hat.

September, Oktober, November.

 

Aber dann,

in diesen Tagen kurz vor Weihnachten,

dann ist es soweit.

Dann kommt ja das Kind.

 

Mit der guten Hoffnung ist es schwer in diesen Tagen. Noch nie haben wir alle zusammen so inbrünstig auf etwas gewartet,

wie in den vergangenen neun Monaten.

Und anders als bei einer richtigen Schwangerschaft lässt sich der verflixte Termin einfach nicht berechnen.

 

Statt Erleichterung und Freude stehen uns weitere Beschwernisse ins Haus.

Es wird wohl besser sein,

wir rechnen noch einmal mit neun Monaten.

Und versuchen, dabei guter Hoffnung zu bleiben.

 

Für den Priester Zacharias

und seine Frau, die Priestertochter Elisabeth

ist das Thema Schwangerschaft schon lange vorbei.

 

Am Anfang,

da haben sie vielleicht noch in Monaten gerechnet

und alle vier Wochen aufs Neue gehofft.

Irgendwann reichte ihre Hoffnung nur noch bis zum nächsten Jahr.

Und dann hat sie sich ganz und gar verbraucht.

Über ihren Wünschen sind die beiden alt geworden. Nicht nur damals:

Kein leichtes Schicksal

 

Zacharias, dieser Name bedeutet: 

Gott gedenkt.

 

Und als Priester ist es ja seine Aufgabe,

seinen Namen mit seinem Leben

und mit seiner Person zu füllen. 

 

Gott gedenkt –

wenn Zacharias ehrlich hätte sein wollen,

so authentisch,

wie man es von Priestern und Pfarrern zu Recht erwarten darf,

dann hätte er sagen müssen:

Gott gedenkt meiner nicht.

 

Gott erinnert sich irgendwie nicht mehr an meine Wünsche

oder hat sie vergessen

über den vielen Wünschen und Bitten der anderen.

 

Und es liegt schon eine gewisse Ironie darin,

dass es auch noch meine Aufgabe als Priester ist,

all die fremden, frommen Wünsche und Bitten vor Gott zu bringen.

Dafür werde ich schließlich bezahlt.

Aber mit mir selbst hat es nicht mehr viel zu tun.

 

Ich bin kein alter Priester, aber ein mittelalter Pfarrer bin ich auch.

Und ich versuche seit Monaten zu vermeiden,

dass mir das Gleiche passiert wie Zacharias.

Ich versuche, nicht die Hoffnung zu verlieren.

 

Es gibt Tage,

da braucht auch meine Hoffnung schon Sauerstoff. 

Gott gedenkt,

ist das wirklich wahr?

Ja, es ist wahr.

Gott gedenkt an jede und jeden von uns,

in allen unseren unterschiedlichen Lebenssituationen und Herausforderungen,

an jede und jeden mit ihren und seinen Wünschen und Bitten.

 

Ich heiße nicht Zacharias.

Aber ich glaube, dass Gott gedenkt.

Und es Gott nicht egal ist, was mit uns ist.

 

Zu Zacharias kam dann ein Engel.

Wie immer,

wenn Menschen die Luft ausgeht,

wenn sie zu ersticken drohen in Traurigkeit und Angst.

 

Fürchte dich nicht,

sagt der Engel zu Zacharias.

Egal, wie mechanisch du deine Gebete in den letzten Jahren verrichtet haben magst:

Gott gedenkt deiner.

Jetzt.

 

Der alte Wunsch geht in Erfüllung.

Ihr bekommt ein Kind.

„Deine Frau Elisabeth wird dir einen Sohn gebären, dem sollst du den Namen Johannes geben“ (Lk 1, 13).

 

Gott gedenkt, Zacharias.

Du bekommst einen Johannes.

Und dieser Name bedeutet:

Gott hat sich erbarmt.

So wird es kommen.

Neun Monate noch.

 

Woran soll ich das erkennen? 

fragt Zacharias.

 

Noch kann man nichts sehen.

Neun Monate sind lang.

Überhaupt kann doch so viel passieren.

Es ist eine berechtigte Frage.

Und ein guter Priester ist ein zweifelnder und nachdenklicher Priester.

 

Mit Glauben und Hoffen allein ist Zacharias noch nicht sehr viel weiter gekommen in den vergangenen Jahren.

Mit Glauben und Hoffen allein ist es schwer.

 

Jeder,

nicht nur Zacharias, möchte ein Zeichen,

dass es jetzt in eine andere Richtung geht,

am besten in Form einer Kurve.

Aber bis sich Elisabeths Leib wölbt,

wird es wieder Monate dauern.

 

Und siehe,

du wirst verstummen

und nicht reden können

bis zu dem Tag,

an dem dies geschehen wird,

weil du meinen Worten nicht geglaubt hast,

die erfüllt werden sollen zu ihrer Zeit (Lk 1,20),

sagt der Engel.

 

Und Zacharias muss in seinen persönlichen Lockdown.

Stumm wird er und damit als Priester arbeitsunfähig.

 

Was für eine Vorstellung,

Pfarrer und Priester, die mal nicht dauernd reden, sondern sich mit einem stummen, bedauernden Winken zur Gemeinde begnügen müssen.

 

Zacharias hat nun neun Monate Zeit,

das gleiche zu tun,

was schwangere Frauen tun:

In sich selbst hinein zu lauschen.

Sich an diesen Zustand zu gewöhnen,

die schönen Momente wahrzunehmen

und auch an den Gedanken,

dass es irgendwann einmal zu Ende ist mit dem Warten.

 

Zacharias übt,

guter Hoffnung zu sein,

neun Monate lang übt er das.

 

Während der Leib seiner Frau sich mehr und mehr wölbt,

sind sie so beide schwanger.

Dann kommt das Kind.

Und weil Zacharias ja noch stumm ist,

muss er auf eine kleine Tafel schreiben,

wie ihr Sohn heißen soll:

Johannes. Gott hat sich erbarmt.

 

Und als Zacharias wieder zu reden beginnt,

kommen aus seinem Mund keine Floskeln mehr.

In ihm ist Glauben neu gewachsen,

auf dem Boden von Zweifel und Nachdenklichkeit. 

 

Gott gedenkt und Gott hat sich erbarmt. 

Zwischen dem Versprechen und seiner Erfüllung liegt ein Leben.

 

 

Wahrscheinlich ist es mit dem Glauben so.

Er nimmt in meinem Leben langsam und im Verborgenen Gestalt an.

Er bildet sich, genau wie ein Kind im Leib seiner Mutter.

Und dazwischen liegen Zeiten des Wartens,

in denen nach außen hin gar nichts passiert.

 

Zacharias‘ persönlicher Lockdown hat ihn unterbrochen in seiner Routine,

vor allem in seinem berufsmäßigen Reden.

 

Es gibt an dem Lockdown,

der uns allen jetzt bevorsteht,

nichts schönzureden.

Viele werden darunter leiden,

vor allem wirtschaftlich.

 

Aber den Wunsch,

dass jetzt einfach mal Ruhe ist und es gut ist mit all den unterschiedlichen Meinungen

und auch mit dem sinnlosen Protest gegen sinnvolle Maßnahmen,

den habe ich auch schon in den Nachrichten gehört, von den viel zitierten Passanten in den Fußgängerzonen.

Ein bisschen Verstummen wäre gar nicht so schlecht.

 

Den allermeisten von uns steht auch mit diesem Lockdown keine lebensbedrohliche Situation bevor. Vielleicht kriegt man jetzt nicht alle Geschenke zusammen,

aber wir werden alle zu essen haben und eine warme Wohnung.

Und sollten wir krank werden,

wird uns mit allen Mitteln geholfen.

Für so viele Menschen auf der Welt wäre das schon die Erfüllung all ihrer Wünsche.

 

Und sollte es so sein,

dass wir an Weihnachten nicht hierherkommen können,

in die Kirche,

dann wird das Kind doch trotzdem kommen.

Und der Engel werden auch dann zu allen Menschen sagen: 

Fürchtet euch nicht!

Siehe, ich verkündige Euch große Freude,

die allem Volk widerfahren wird.

 

Wenn wir nicht hierherkommen können,

dann wird eben Gott uns besuchen.

Und dann wird es so sein,

wie Zacharias es sagt,

mit seinen ersten Worten nach neun Monaten Schweigen.

Als Glauben in ihm gewachsen war:

Gelobt sei der Herr, der Gott Israels.

Denn er hat besucht und erlöst sein Volk, (…)

durch die herzliche Barmherzigkeit unseres Gottes,

durch die uns besuchen wird das aufgehende Licht aus der Höhe,

auf dass es erscheine denen,

die sitzen in Finsternis und Schatten des Todes,

und richte unsere Füße auf den Weg des Friedens.

Amen

 
Predigtlied EG 11, 1-2 Wie soll ich dich empfangen

 

Verabschiedung aus dem Kirchenvorstand

 

Thomas Apfel ist aus dem Kirchenvorstand ausgeschieden

 

Lieber Thomas,

ich danke dir herzlich für die zwei Jahre,

die du dem Kirchenvorstand angehört

und dich mit deinen Gaben, deinen Ideen und Vorschlägen eingebracht hast.

 

Hiermit entpflichte ich dich aus dem Amt eines Kirchenvorstehers der Katharina von Bora Gemeinde

 

Der barmherzige Gott,

der dich in deinem Dienst begleitet hat,

vollende, was du begonnen hast,

und wende zum Guten,

was nicht gelungen ist.

Er gebe Deinem Dienst reichen Lohn.

Gott sehne deinen Blick zurück

und deinen Schritt nach vorn

Friede sei mit dir Amen

 

Bereits vor zwei Wochen haben wir ja Waltraud Fenn-Banfelder als neue Kirchenvorsteherin eingeführt.

 

Nachdem damit aber die Liste der Ersatzleute im erweiterten Kirchenvorstand fast aufgebraucht ist,

haben wir uns entschlossen

Sara Zare Moayedi

und Masih Eghbali

in den erweiterten Kirchenvorstand nachzuberufen:

 

Liebe Sara, lieber ,

wir freuen uns sehr,

dass ihr in den erweiterten Kirchenvorstand nachrückt und ihr Verantwortung für diese Gemeinde mit tragen wollt

 

Tretet vor, dass wir für Euch beten und Euch segnen. 

 

Verpflichtungsfrage

 

Liebe Sara, lieber Masih

so frage ich Dich:

 

Wollt ihr euch im erweiterten Kirchenvorstand mit euren Gaben und Talenten einbringen

 

Seid ihr bereit,

Verantwortung übernehmen

für den Gottesdienst,

für die pädagogischen, diakonischen,

ökumenischen und missionarischen Aufgaben

der Gemeinde und der ganzen Kirche?

 

Wollt ihr Sorge tragen,

für die Lehre, das Leben,

die Einheit und Ordnung der Kirche?

So sprecht:

Ja mit Gottes Hilfe!

 

-              Gebet

 

Lasst uns für unsere neue Kirchenvorsteherin beten:

 

Jesus Christus,

Herr und Hirte deiner Kirche,

wir danken Dir,

dass du Menschen bereit machst zum Dienst an deiner Kirche.

Hilf unseren beiden neuen Mitgliedern im erweiterten Kirchenvorstand mit der Kraft deines Heiligen Geistes,

Schenke ihnen Freude an ihrem Dienst

und Mut, Entscheidungen zu treffen.

Segne sie in ihrer Aufgabe.

Verbinde sie mit den anderen Männern und Frauen im Kirchenvorstand und mit uns allen

Im Dienst der Liebe und im Lob deines Namens

Amen.

 

Segen

 

So führe ich Dich ein als Mitglieder des erweiterten Kirchenvorstands der Katharina von Bora Gemeinde.

 

Der dreieinige Gott segne Euch

Er segne euren Dienst an der Gemeinde

Und erhalte euch in seiner Gnade. AMEN

 

Abkündigungen

 

Lied EG 541, 1-2 Nun fangen wir zu singen an

 

Fürbitten 

 

Barmherziger Gott,

um uns herum wankt alles.

Es herrschen Unsicherheit und Ungewissheit

angesichts einer Pandemie,

die vor einem Jahr niemand erahnt hat.

 

Täglich erkranken Menschen,

die Auslastung der Krankenhäuser erreicht ein bedenkliches Maß,

viel zu viele Menschen sterben täglich.

So viele Menschen haben die Arbeit verloren, arbeiten kurz,

so viele bangen um ihre Existenz,

die sich mit Fleiß und Mühe aufgebaut haben

 

Vieles, was für uns Bedeutung hat,

ist in diesem Jahr nicht möglich.

Mit der Familie im größeren Kreis zusammen sein,

die Großeltern einladen,

mit Freunden unbefangen Zeit verbringen,

gemeinsam am Tisch sitzen und reden, lachen, spielen, zusammen essen,

Veranstaltungen besuchen,

ehrenamtlich Menschen begegnen,

in der Gemeinde tätig sein,

Krankenbesuche machen oder Besuche im Pflegeheim....

all das ist nicht mehr so möglich,

wie es das noch vor einem Jahr war

und das ist schwer.

 

Nähe und Begegnung erleben,

das fehlt den meisten von uns sehr.

Wir haben unsere Unbefangenheit verloren....

Manches, was uns wichtig zu sein schien,

müssen wir jetzt noch einmal überdenken

und uns fragen, was wirklich zählt

und auf was wir verzichten können.

 

Die Angst vor der andauernden Bedrohung

kriecht in jeden Winkel

und verunsichert viele Menschen.

Barmherziger Gott,

segne du deine Menschheit

in der Zeit dieser Pandemie

behüte und bewahre uns.

Nimm du die Angst aus unseren Herzen

und ersetze sie durch deine Liebe.

Entzünde in uns das Licht der Hoffnung.

Amen

 

Vaterunser

Segen

Nachspiel