Gottesdienst am 1. Sonntag nach Trinitatis

1. Sonntag nach Trinitatis  (Apg 4, 32-37)

Musik

Votum

P       Wir feiern diesen Gottesdienst im Namen Gottes, des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes.

G      Amen.

P       Der Herr sei mit Euch

G      und mit deinem Geist

Begrüßung

Liebe Gemeinde,

Jesus Christus spricht:

Wer euch hört, der hört mich.

Und wer euch verachtet, der verachtet mich.

Gott spricht und er will gehört werden.

Gott spricht durch seine Propheten,

er spricht durch seinen Sohn,

er spricht durch seine Apostel.

 

In der Heiligen Schrift und im Gottesdienst begegnet Gott uns immer wieder neu.

Gebe Gott, dass wir ihn in seinem Wort finden.

 

Lied EG 302, 1-2 Du meine Seele, singe  

Confiteor

 

Im heutigen Evangelium geht es darum,

was die Mitte unseres Lebens ist.

Kreisen wir voll Sorge oder egoistischem Verlangen um uns selber - oder ist Gott die Mitte?

Leben wir im Vertrauen auf ihn,

und sehen wir die, die uns brauchen, mit seinen liebenden Augen?

Nehmen wir uns zu Beginn dieses Gottesdienstes ein wenig Zeit,

um uns dieser Frage zu stellen:

Was ist die Mitte meines Lebens?

Steht Gott an erster Stelle?

Lasst uns das in der Stille bedenken

 

-      Stille –

 

Wir bekennen Gott unsere Schuld und rufen:                   Gott, sei mir Sünder gnädig.

Der allmächtige Gott erbarme sich unser,

er vergebe uns unsere Sünde

und führe uns zum ewigen Leben.

 

Kyrie EG 178.9

 

Gnadenzuspruch

 

Der allmächtige Gott hat sich unser erbarmt.

Durch Jesus Christus wissen wir:

Gott ist die Liebe, und wer in der Liebe bleibt,

bleibt in Gott und Gott in ihm.

Schon bei unserer Taufe hat Gott uns das fest zugesagt.

Wer darauf traut, wird selig werden.

Das verleihe Gott uns allen.

Gloria

 

L:      Ehre sei Gott in der Höhe

G:     und Friede auf Erden, den Menschen ein Wohlgefallen

 

Glorialied EG 697 Meine Hoffnung und meine Freude

 

Gebet

 

Lasst uns beten:

 

Lasst uns beten:

Barmherziger Gott,

du willst, dass unser Leben gelingt,

dass es richtig und gut wird

und wir einmal auf ewig bei dir geborgen sind.

Sei du die Mitte unseres Lebens

und lass uns voll Liebe denen beistehen,

die uns brauchen.

Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn. Amen.

 

Lesung

Glaubensbekenntnis

 

Lied EG 124, 1-4 Nun bitten wir den heilgen Geist

 

Predigt  

Ich weiß nicht, ob Ihnen der Name Alfred Tetzlaff noch etwas sagt.

Oder Frau Suhrbier.

Oder Rita und Michael.

Oder Else, besser bekannt als „dusselije Kuh“?

 

Alfred Tetzlaff ist ein vom Schicksal gebeutelter Mann. Nicht nur,

weil er unter den Sozis in der Regierung,

den Stümpern in seinem Lieblingsverein Hertha BSC und den ganzen Ausländern und Gastarbeitern leiden muss,

nicht nur,

weil er wegen seiner geringen Körpergröße belächelt wird,

sondern auch,

weil niemand in seinem Haushalt ihm in Sachen Sport, Politik und Kultur das Wasser reichen kann.

Nicht seine einfältige Gattin Else, eben jene „dusselije Kuh“,

und vor allem nicht sein nichtsnutziger und noch dazu langhaariger Schwiegersohn Michael aus der Ostzone.

 

Alfred Tetzlaff lockte ab 1973 die Zuschauer in Scharen vor die damals noch in schwarz/weißen Mattscheiben, es war die erste Sit-Com im deutschen Fernsehen.

 

Den meisten war die Serie bekannt unter dem Spitznamen „Ekel Alfred“,

ihr eigentlicher Titel war aber,

man höre und staune,

ein Bibelzitat:

Ein Herz und eine Seele.

 

Und dieses Zitat stammt aus dem Predigttext für heute. Ein kleines Stück aus der Apostelgeschichte.

 

Ein paar Monate nach Himmelfahrt und Pfingsten,

die Gemeinde wächst,

aber es gibt auch erste Konflikte mit den Behörden.

 

Unser Predigttext gibt einen kleinen,

vielleicht ein bisschen idealisierten Einblick in den Alltag der frühen Christinnen und Christen:

 

Die ganze Gemeinde war ein Herz und eine Seele,

und nicht einer nannte etwas von dem,

was er besaß,

sein Eigentum,

sondern sie hatten alles gemeinsam.

 

Und mit großer Kraft legten die Apostel Zeugnis ab von der Auferstehung des Herrn Jesus,

und große Gnade ruhte auf ihnen allen.

Ja, es gab niemanden unter ihnen, der Not litt,

denn die,

welche Land oder Häuser besaßen,

verkauften,

was sie hatten,

und brachten den Erlös des Verkauften

und legten ihn den Aposteln zu Füssen;

und es wurde einem jeden zuteil,

was er nötig hatte.

 

Was würde Alfred Tetzlaff über diese ersten Christinnen und Christen sagen?

 

Wahrscheinlich das,

was er des Öfteren zu seinem linken Schwiegersohn gesagt:

Sozis!

Komsomolzen!

Rote Rotznasen!

Langhaarige bolschewistische Hyänen!

Sein Schwiegersohn,

wie gesagt, ein überzeugter Sozialdemokrat und 68er, würde die Gütergemeinschaft der ersten Christen wahrscheinlich sehr sympathisch finden.

 

Wie höre ich diesen Bericht über den Alltag in Jerusalem?

 

Meldet sich mein inneres Ekel Alfred

und will mir einreden,

dass hier sozialromantischer Kitsch seinen Niederschlag gefunden hat,

der weder historisch belegt

noch wirklich ernst gemeint war?

 

Oder meldet sich mein innerer Sozialdemokrat mit Beifall für die ersten Christinnen und Christen

und der etwas beunruhigenden Frage:

Wie halten wir es denn heute?

 

Wir wissen nicht,

wie realistisch diese Schilderung der Gemeinde ist. Bestimmt schwingt ein bisschen Wunschdenken,

ein bisschen Idealisierung, mit,

ein bisschen „so müsste, so könnte, so sollte es sein“.

 

Was wir aber auch wissen, ist:

 Die finanzielle Not war da. D

ie Mitglieder der Gemeinde in Jerusalem waren, zumindest zum Teil, Menschen,

die Jesus aus Galiläa nachgefolgt sind.

 

Fischer, die ihre Boote und Netze zurückgelassen hatten.

Landwirte, die ihren Acker stehen lassen.

Steuerpächter ohne Lizenz in Jerusalem.

Geheilte, die den Bettelstab an die Wand gestellt

und damit ihre Einkommensquelle verloren haben.

 

Es gab also nicht wenige,

die auf Unterstützung durch die Gemeinde angewiesen waren.

 

Was wir auch wissen, ist:

Lukas und mit ihm alle anderen Evangelisten,

und eigentlich so gut wie alle anderen Menschen,

die sich mit dem Glauben beschäftigt haben,

sind der Meinung:

 

Mein Verhältnis zu Gott hat auch Auswirkungen auf mein Verhältnis zum Geld und zum Besitz.

 

„Geh hin, verkaufe alles, was Du hast,

und folge mir nach“,

sagt Jesus zu einem jungen reichen Mann.

Der bringt das nicht übers Herz

und ist in die Geschichte eingegangen als vielleicht abschreckendes, vielleicht ermutigendes, aber auf jeden Fall realistisches Beispiel:

 

Was ich besitze,

das kann mir große Freiheit ermöglichen.

Es kann aber auch wie ein Klotz am Bein sein,

mich lähmen

und meinen Blick auf das verstellen,

was wirklich wichtig ist

und was mit Geld nicht zu kaufen ist.

 

Und: Mein Besitz,

der mir Freiheit und Bewegungsspielraum ermöglicht, kann für andere die Kette sein,

die sie gefangen halten.

 

Im Internet gibt es einen etwas makabren Test.

Man beantwortet Fragen zum eigenen Konsumverhalten.

Und dann rechnet die App aus,

wie viel Sklavenarbeit hinter Ihrem oder meinen Lebensstil steckt.

Gemeint ist damit nicht,

dass man selbst Sklaven hält,

aber in der Produktionskette unserer Konsumgüter steckt oft Sklavenarbeit,

nicht zuletzt die von Kindern.    

Ich habe meine Viertklässler aus der Jean Paul Schule vor Augen:  

Wenn Louis, Maxim und Nike nicht in Coburg leben würden,

sondern im Kongo,

sähe ihr Leben ganz anders aus:

Sie nicht in die Schule gehen,

sondern in Bergschächten arbeiten,

die gerade groß genug sind für Grundschüler,

Coltran für unsere Smartphones abbauen.

 

Wenn sie in Bangladesh leben würden,

würden sie vielleicht in einer heruntergekommenen Fabrik unter gesundheitsschädlichen Bedingungen       T-Shirts zuschneiden,

die wir für 5 EUR das Stück kaufen.

 

In Guatemala würden sie vielleicht für knapp fünf Euro pro Zentner den Kaffee anbauen,

der bei uns für fünf Euro das Pfund über den Ladentisch geht.

 

Ich erzähle das

und merke,

wie sich mein innerer Alfred Tetzlaff meldet

und ruft:

Ganz so schlimm kann es doch nicht sein.

Wenigstens verdienen sie etwas Geld.

Dass ihre Gesundheit dabei drauf geht,

und ihnen die Chance auf Bildung und ein besseres Leben verwehrt wird,

interessiert, Ekel Alfred nicht.

 

Aber eigentlich möchte ich glauben,

dass selbst Ekel Alfred nicht so abgebrüht ist,

dass es ihm egal ist.

 

Sondern dass er eigentlich meint:

Das geht mir an Herz und Nieren,

und ich fühle mich machtlos und ohnmächtig.

Weil ich nicht weiß, was ich tun kann.

Wie kann man daran etwas ändern?

 

Die ganze Gemeinde war ein Herz und eine Seele,

und nicht einer nannte etwas von dem,

was er besaß,

sein Eigentum,

sondern sie hatten alles gemeinsam.

Und mit großer Kraft legten die Apostel Zeugnis ab

 

Vielleicht hat Lukas diese Zeilen geschrieben,

weil es genauso war

und er begeistert erzählen konnte:

 

So könnte die Welt aussehen,

wenn wir uns Gottes Geist bewegen lassen

und in der Nachfolge Jesu leben.

 

Immerhin ist Lukas ehrlich genug,

um an anderer Stelle auch zu verraten,

dass das nicht immer so glatt läuft.

(Gleich im Anschluss erzählt er die schauerliche Geschichte von Hannanias und Zaphira,

die eben doch von ihrem Gut zurück halten.)

 

Vielleicht hat er die Menschen aus der griechischen Umwelt im Blick gehabt,

die solche Vorstellungen kannten,

und wollte ihnen sagen:

 

Das, was eure Philosophen euch als Idelvorstellungen vor Augen malen,

das ist in der christlichen Gemeinde schon Wirklichkeit geworden.

 

Vielleicht hat er auch jüdische Leserinnen und Leser vor Augen gehabt.

Die dürften hellhörig geworden sein bei den Worten „Herz“, „Seele“, „Kraft“

und werden an das Gebot gedacht haben,

das die Bibel das höchste nennt:

Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben von ganzem Herzen und von ganzer Seele und mit all deiner Kraft.

Und, nebenbei, mit Jesus gesagt:

Deinen Nächsten wie dich selbst.

 

Wie wir es auch drehen und wenden,

um einen Umstand kommen wir nicht drum herum:

 

Mein Glaube hat nicht nur eine Innenseite,

sondern auch eine Außenseite.

Glauben heißt nicht nur,

irgendetwas zu glauben,

sondern auch,

entsprechend zu handeln.

 

Glauben heißt, mit Fug und Recht zu fragen:

Was kann Gott für mich tun?

Was hat Jesus für mich getan=

 

Aber es heißt eben auch, zu fragen:

Was kann ich für Gott tun?

Was ist meine Reaktion auf das,

was Gott für mich getan hat?

 

Und es weder ein Geheimnis,

noch besonders abwegig, zu sagen:

 

Eine gute Art und Weise,

etwas für Gott zu tun,

ist es,

seinen Kindern etwas Gutes zu tun.

Den eigenen Besitz in die Hand zu nehmen

und zu fragen:

Brauche ich das wirklich?

Oder hat jemand anderes das viel nötiger als ich?

 

Wie viel Anrecht habe ich eigentlich auf das,

was mir nur in die Hände gefallen ist,

weil ich auf der richtigen Hälfte der Weltkugel

und auf der Sonnenseite der Geschichte zur Welt gekommen bin?

 

Was habe ich, das ich mit anderen teilen kann?

Zeit? Geld? Geschichten? Hoffnung?

 

Und irgendwo sitzt Ekel Alfred

oder jemand von seinem Kaliber und schmollt.

Vielleicht sitzt er im Ruhrgebiet

oder in Sachsen

oder in mir drin.

 

Er ärgert sich über die Regierung,

über die schwachen Leistungen seines Lieblingsvereins,

über die Ausländer,

und murmelt leise vor sich hin:

Sozis! Komsomolzen! Rote Rotznasen! Langhaarige bolschewistische Hyänen!

Fernsehforscher sagen zu den beispiellosen Einschaltquoten der Serie,

deren Hauptfiguren alles andere als „ein Herz und eine Seele“ waren:

 

Das haben sich nicht nur Leute angeguckt,

die über die überzeichneten Charaktere gelacht haben. Sondern auch die,

die bei Alfred Tetzlaffs Tiraden leise genickt und gemurmelt haben:

„Endlich sagt es mal einer laut.“

 

„Arme werdet ihr allezeit bei euch haben“, sagt Markus in seinem Evangelium.

 

Lukas lässt diesen Satz weg.

Weil er ein anderes Bild vor Augen hat,

von der Gütergemeinschaft der ersten Christinnen und Christen

ein Bild, das mich bewegt,

das mich herausfordert,

und das mich ahnen lässt:

Eine andere Welt ist möglich.

 

Leider sagt mir meine Erfahrung auch:

„Ekel Alfreds werdet ihr allezeit bei euch haben.“

 

Und ich ahne,

dass ich es in dieser Predigt nicht geschafft habe,

ihn davon zu überzeugen,

dass in dieser Geschichte von den ersten Christinnen und Christen,

die Herz und Seele waren

und alles gemeinsam hatten,

etwas Wichtiges drinsteckt.

 

Aber manchmal erweist sich die Wahrheit eines biblischen Textes auch darin,

dass die richtigen Leute sich darüber ärgern.

Getroffene Hunde jaulen. Amen.

 

Und der Friede Gottes, der höher ist als alle Vernunft, bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus. Amen.

 

Predigtlied EG 251, 1+6+7 Herz und Herz vereint zusammen  

 

Abkündigungen

 

Der dreieinige Gott segne unsere Gemeinde und alle ihre Glieder nach dem Reichtum seiner Gnade. Amen

 

Lied EG 365, 1-3 Von Gott will ich nicht lassen

 

Fürbitten

 

Barmherziger Gott

Wir beten, dass das Hilfspaket,                                                          dass die Bundesregierung letzte Woche vereinbart hat, dort ankommt, wo es wirklich gebraucht wird.

Gib, dass es Selbständigen hilft,                                            den Menschen, die ihre Arbeit verloren haben                         oder unter den Auswirkungen der Kurzarbeit leiden. Bring sie zurück in Arbeit,                                                            dass sie sich und ihre Familien ernähren können.

Wir bitten dich besonders für alle Jugendlichen und jungen Erwachsenen,                                                                          die noch auf der Suche nach einem Ausbildungsplatz sind.                                                                                        Erinnere die Verantwortlichen in Politik und Wirtschaft, dass Arbeit und eine gute Ausbildung zur Würde des Menschen gehört.

Wir beten für alle Menschen in den Pflegeberufen.                   Wie kann es sein,                                                                           dass noch immer nicht alle Pflegenden ausreichenden Zugang zu Masken und Schutzkleidung haben.                Auch fehlen im Hilfspaket Gelder,                                                     um die Arbeitsbedingungen in der Pflege substantiell zu verbessern.

Dass wir alle mal geklatscht haben kann doch nicht alles sein.                                                                                    Nimm die Verantwortlichen in der Regierung, bei den Krankenkassen und in der Leitung der Krankenhäuser und Pflegeheimen in die Pflicht,                                                       dass Pflegekräfte ihre Arbeit gut, gerne und gesund tun können                                                                                          und die Gepflegten die bestmögliche Unterstützung bekommen.                                                                         Nimm uns in die Pflicht,                                                               weiter darauf zu schauen                                                              und die Kosten einer - für Pflegende und Gepflegte – menschenwürdigen Pflege solidarisch zu teilen. Amen

Wir beten für die Menschen in Syrien.

Sie haben sich in neun Jahren Krieg an so viel Schlimmes gewöhnen müssen.                                                    Nun ist die Inflationsrate infolge der Coronakrise

und des Zusammenbruchs der libanesischen Wirtschaft in schwindelerregendem Tempo gestiegen.

Die Caesar-Sanktionen der USA „zum Schutz der Zivilbevölkerung in Syrien« befeuern die Situation:

Für ein durchschnittliches Monatsgehalt bekommt man gerade noch zwei Wassermelonen.

Barmherziger Gott,

wir bitten dich:

Rüttle die Weltgemeinschaft auf,

lass sie nicht müde werden,

auf diese Not mit Aufmerksamkeit und Hilfsbereitschaft zu reagieren.
Sage uns, was wir tun können,

um das Leid zu mindern.

Schenke den Syrern die Hoffnung,

dass wir sie nicht vergessen.

 

Vaterunser

 

Segen

 

Musik